Welt : Peter Jacobus, Chef-Steward, über Probleme in der Luft

Wie können Sie sich als Flugbegleiter vor Ang

Peter Jacobus (49) arbeitet als Purser, als verantwortlicher Flugbegleiter an Bord. Er ist seit 24 Jahren im Geschäft und Sprecher der unabhängigen Flugbegleiter-Organisation (UFO).

Wie können Sie sich als Flugbegleiter vor Angriffen von Passagieren schützen?

Ich denke, es fängt bei der Schulung an. Je mehr Schulung, desto besser vorbereitet gehen die Flugbegleiter an Bord. Einige Fluglinien planen solche Schulungen bereits.

Es gibt also gar keine allgemeinen Richtlinien für Schulungen?

Nein, solche allgemeinen Richtlinien - beispielsweise, wie muss ich mich an Bord verhalten - gibt es so weit ich weiß nicht. Wichtig ist auch die Früherkennung. Alles was ich nicht an Bord habe und gefährlich ist, ist eben sicherer. Deshalb müssen auch die Mitarbeiter am Boden geschult werden.

Werden denn die Passagiere zunehmend agressiver?

Generell denke ich schon, dass es schlimmer geworden ist, wie vielleicht überhaupt in der Gesellschaft. Es fliegen ja auch immer mehr Leute.

Woran könnte es liegen, dass die Menschen im Flugzeug agressiv sind?

Die Flugzeuge sind immer voll. Die Kollegen und Kolleginnen müssen sehr viel fliegen, schließlich soll ja auch die Produktivität gesteigert werden. Ein Grund sind auch die Verspätungen, weil bei den Regelungen im Luftraum noch immer nationale vor europäischen Interessen gehen. Auch Verbote spielen eine Rolle, zum Beispiel das Rauchverbot. Wenn Leute Flugangst haben oder einen dringenden Termin verpassen, dann beruhigt sie vielleicht eine Zigarette. Die könnne sie aber nicht rauchen. Und Manager, die immer alles im Griff haben, können dann noch nicht einmal das Flugzeug lenken, sie sind dem Piloten sozusagen ausgeliefert. Das muss alles nicht, kann aber zu Agressivität führen.

Was ist das Bedrückendste an ihrer Arbeit. Verzweifeln Sie manchmal an der Spezies Passagier?

Verzweifeln würde ich nicht sagen. Wenn man im Service-Beruf arbeitet, ist man schon Profi. Es wird erst problematisch, wenn es ins Persönliche geht und es zu Handgreiflichkeiten kommt. Das hängt dann von der jeweiligen Person ab, wie sie damit umgeht.

Haben Sie manchmal Angst, in gefährliche Situationen zu geraten?

Nein, Angst definitiv nicht. Wenn man Angst hat, sollte man nicht in ein Flugzeug steigen. Und gefährliche Situationen kann man auch im Straßenverkehr haben.

Ist denn ein Vorfall wie der gestern Nacht im LTU-Flieger eher die Ausnahme?

Wenn ich davon ausgehe, wie viele Passagiere weltweit herumfliegen, dann passiert so etwas doch sehr selten. Ich will auch keine Leute davon abhalten, zu fliegen, wir wollen natürlich die Passagiere auch weiterhin. Nur sollte jeder hin und wieder auf sich selbst und auch auf andere achten, um die Crew zu unterstützen.Das Interview führte Armin Lehmann

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