Peter Knipp : In Asien ging seine Sonne auf

Er hat es zu was gebracht, als Organisator und als Selbstdarsteller: Wie der Berliner Koch Peter Knipp in Fernost eine große Karriere startete.

Bernd Matthies[Singapur]
Knipp Foto: promo
Mit Rotwein und Harley Davidson. Peter Knipp in Singapur. -Foto: promo

Als Peter Knipp zum ersten Mal richtig über sein Leben nachdachte, da fasste er einen Doppelbeschluss: „Ich will nach Asien, und ich will eine Harley-Davidson fahren.“ Beide Ziele hat er erreicht. Mit 22 verließ der gebürtige Berliner die Stadt in Richtung Fernost, und mit 39 fuhr er zum ersten Mal mit der eigenen Harley. Alles andere ergab sich später, zum Beispiel, dass der heute 54-Jährige zu den bekanntesten Unternehmern Singapurs gehört. Dort hat er soeben zum 13. Mal den „Singapore World Gourmet Summit“ organisiert, das gegenwärtig glamouröseste kulinarische Fest der Welt. Die Gäste haben wieder einmal die größten Hotelsäle der Stadt gefüllt, um die Menüs von berühmten Köchen wie Regis Marcon oder Heinz Beck zu probieren.

Knipp hat es zu was gebracht, als Organisator und als Selbstdarsteller. Er kann es sich leisten, die Creme der Stadt zu einer hochrangig besetzten Gala zu begrüßen und erst einmal einleitend über die Probierlöffel zu scherzen, die der deutsche Sponsor verteilt hat, noch bevor er den protokollarischen Kotau vor dem Ministerpräsidenten gemacht hat. Dann lässt er dem Genuss seinen Lauf – und verliert doch, nervös wie ein Neuling, kein Detail aus den Augen. Sein Urteil ist sicher und hart, und wenn ein Gastkoch, was auch mal vorkommt, Murks abliefert, dann muss der hinterher mit einer nur notdürftig in Scherzpapier gewickelten öffentlichen Manöverkritik rechnen.

Der bärtige Kleiderschrank aus Spandau ragt in Singapur schon körperlich weit über die anderen hinaus. In einem schlechteren Leben hätte er vielleicht Rockerpräsident werden können, die Harley und der süffisant halbseidene Brilli im Ohrläppchen weisen ein wenig in diese Richtung. Doch es kam anders, weil er schon als kleiner Junge von der Welt träumte, „ich hab immer schon diesen Travelbug gehabt“, wie er in seinem englisch durchsetzten Deutsch sagt. Die Abrissfirma seines Vaters bot ihm diese Perspektive nicht, also begann er 1970 eine Kochlehre im Berliner Hilton-Hotel. Küchenchef Hans-Joachim Jeglitzer wurde sein zweiter Vater, Chef-Saucier war Siegfried Rockendorf, der später einer der besten deutschen Köche wurde. Wechsel ins Hilton Düsseldorf, harter Schliff im Kronenhof Pontresina, „da gaben sie dir 500 Kilo Spargel, mach mal fertig, vorher kannst du nicht nach Hause“. Am 22. Dezember 1975 stand Knipp bei minus 30 Grad in Montreal, „zwei Tage vor Weihnachten mit nix in der Hand“ – die Olympischen Winterspiele hatten gerufen. Wieder Berlin, großer Erfolg mit der Köche-Nationalmannschaft in Basel, „da habe ich angefangen, das Kochen zu lieben“.

Mit knapp 23 ließ er sich von den Hilton-Oberen nach Kuala Lumpur schicken, wechselte später nach Djakarta, wo er seine Frau Sin Bee kennenlernte. Mit 26 sollte er endlich Küchenchef im Hilton-Reich werden, lehnte drei Angebote ab, weil er unbedingt nach China wollte, durfte dann zunächst ein Hotel-Wrack in Taipeh nach oben stemmen, das Hilton Hongkong wiedereröffnen, erreichte schließlich 1987 Shanghai, sein Wunschziel. „Da gab es keine Infrastruktur, nichts, wir haben gebacken, wir haben Metzgerei gemacht, aber später hat die ganze Welt davon gesprochen.“ Die Karriere führte ihn schließlich als Küchendirektor ins legendäre Raffles in Singapur. „Fünf Jahre, dann war ich 42 und hatte die Position, die ich immer haben wollte, fertig, aus, und was jetzt?“

Küchenplanung und Hotelberatung, das war ein Ergebnis dieser Krise. Gegenwärtig betreut die Knipp-Holding 18 Projekte in ganz Asien, gibt zudem das Hochglanz-Branchenmagazin „New Asia Cuisine and Wine Scene“ heraus. Knipps Frau ist seine engste Mitarbeiterin, Wolfram, der ältere seiner beiden Söhne, arbeitet als IT-Manager mit.

Der Summit krönt diese vielfältige Selbstständigkeit. 1996 traf Knipp in St. Moritz beim seinerzeit maßstabsetzenden Gourmet-Festival auf den damaligen Chef des Singapore Tourism Board. Beide beschlossen: So was machen wir auch. Heute ist der Gourmetgipfel nicht nur eine Attraktion für reisende Feinschmecker, sondern Dreh- und Angelpunkt der Restaurantkultur der Stadt mit Ausstrahlung nach halb Asien. Vor allem die Verleihung zahlreicher Preise nach Oscar-Muster hat die produktive Konkurrenz zwischen den Küchenchefs und Hotelmanagern Singapurs verstärkt.

Ganz neu: ein Zweit-Summit in Abu Dhabi 2009, innerhalb von sieben Monaten aufgebaut unter huldvoller Anteilnahme der königlichen Familie. „Da ist viel schiefgegangen, wir haben viel gelernt“, sagt Knipp. „Aber die Köche kamen, die Winzer kamen, die Klatschblätter kamen, das ist auf gutem Weg.“ Überhaupt findet er, man müsse alles langsam aufbauen, „unsere Vision is long“.

Wann er das letzte Mal in Berlin war? Daran kann er sich kaum noch erinnern.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben