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Pferdefleisch statt Rindfleisch? : Auch in Deutschland Tiefkühlprodukte verdächtig

Die ersten Supermarktketten haben am Mittwoch-Abend auch in Deutschland bestimmte Produkte aus dem Verkehr gezogen. Bei den Tiefkühlprodukten könne nicht ausgeschlossen werden, dass sie Pferdefleisch enthielten, hieß es.

Pferdefleisch anstatt Rindfleisch - die EU hat ihren nächsten Lebensmittelskandal. Jetzt ist klar: Auch die Bundesrepublik ist betroffen.
Pferdefleisch anstatt Rindfleisch - die EU hat ihren nächsten Lebensmittelskandal. Jetzt ist klar: Auch die Bundesrepublik ist...Foto: dpa

Der Skandal um falsch deklarierte Lebensmittel mit Pferdefleisch weitet sich aus. Nachdem in tiefgefrorener Lasagne des französischen Unternehmens Comigel in Großbritannien und Frankreich Pferdefleisch anstelle von Rindfleisch nachgewiesen wurde, nahmen inzwischen auch Supermärkte in Deutschland vorsorglich einige Tiefkühlgerichte aus ihrem Sortiment. In Großbritannien und Irland wurde bereits Mitte Januar nicht deklariertes Pferdefleisch in Tiefkühl-Hamburgern gefunden. Am Mittwoch erreichte der Skandal auch Deutschland.

Bisher ist es zwar nur ein Verdacht, doch die Verunsicherung ist groß. Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums in Nordrhein-Westfalen sind zwischen November 2012 und Januar 2013 über Firmen in Luxemburg und Frankreich Produkte „in größerem Umfang“ nach Deutschland geliefert worden, „die im Verdacht des Kennzeichnungsverstoßes mit Pferdefleisch stehen“. Dies gehe aus einer Lieferliste hervor, die durch das EU- Schnellwarnsystem übermittelt worden sei. Die verdächtigen Lieferungen gingen demnach an Discounter, Lebensmittelketten und andere Lebensmittelunternehmen.

Dabei handelt es sich um verarbeitete Lasagne, wie das Bundesverbraucherschutzministerium am Mittwoch mitteilte. Kontrolleure hätten am Mittwoch Proben gesichert, erklärte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums. Die Ergebnisse sollen in drei bis fünf Tagen vorliegen. Ob in den Lieferungen nicht deklariertes Pferdefleisch enthalten war, ist offen.

Die Behörden gehen bislang nicht von einer gesundheitlichen Gefährdung aus. Normalerweise sei Pferdefleisch nicht gesundheitsschädlich, sagte ein Ministeriumssprecher. „Es kommt darauf an, was drin ist, und das wissen wir noch nicht.“ Allerdings lehnen die Verbraucher in Deutschland – anders als in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien oder Belgien – Pferdefleisch eher ab.

Der Handel hat bereits reagiert. Die Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann nahm vorsorglich Tiefkühl-Lasagne der Eigenmarke A&P aus dem Verkauf. Zudem lässt Edeka derzeit „alle relevanten Eigenmarkenprodukte“ prüfen – bisher liegen dazu einem Sprecher zufolge aber noch keine Ergebnisse vor. Real nahm nach eigenen Angaben „zwei in Verdacht stehende Produkte bis zur endgültigen Klärung vorsorglich aus dem Verkauf“. Dabei handelt es sich um „Mini Cheeseburger“ des Lieferanten „Agro on“ sowie um die Lasagne der Marke „TiP“.

Wegen des Verdachtsfalls nahm Deutschland am Mittwochabend an einem EU-Krisentreffen in Brüssel teil. Dabei sollte auch eine Verschärfung der bestehenden Gesetze beraten werden, wie Verbraucherschutzkommissar Tonio Borg ankündigte. Am Freitag will die EU-Kommission dann mit Vertretern aller EU-Länder über das weitere Vorgehen beraten. Auch beim Treffen der europäischen Landwirtschaftsminister am 25. und 26. Februar dürfte das Thema auf der Tagesordnung stehen. (AFP/ dpa)

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