Welt : Pfleger tötet zehn Kranke

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Kempten Mit Beruhigungs- und Narkosespritzen hat ein 25 Jahre alter Krankenpfleger in einem Krankenhaus in Sonthofen (Allgäu) zehn schwerstkranke Patienten getötet. Nach seiner Festnahme gestand der Mann die Taten und gab als Motiv Mitleid an. Er habe das Leid der „dahinsiechenden Menschen“ nicht mehr ertragen können und sie „erlösen“ wollen. Bei den Opfern handelte es sich um sechs Frauen im Alter zwischen 70 und 89 Jahren und vier Männer zwischen 60 und 88 Jahren, berichteten am Freitag Polizei und Staatsanwaltschaft in Kempten. Man war dem Pfleger auf die Spur gekommen, weil Medikamente in der Klinik fehlten. Geschäftsführung und Mitarbeiter des betroffenen Krankenhauses reagierten geschockt und tief betroffen. Die von ihm für die tödlichen Injektionen benützten Medikamente unterlägen nicht den Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes und hätten deshalb nicht unter Verschluss gehalten werden müssen.

Der Beschuldigte stammt aus Baden-Württemberg und war seit Januar 2003 auf der Pflegestation im Krankenhaus Sonthofen beschäftigt. Für seine Anstellung habe er gute Zeugnisse vorgelegt und sei während seiner Beschäftigung unauffällig gewesen, hieß es.

Die Deutsche Hospiz Stiftung hat nach Bekanntwerden des Falles einen radikalen Systemwechsel im Gesundheitswesen gefordert. „Das Personal ist häufig völlig überfordert“, sagte Eugen Byrsch von der Patientenschutz-Organisation am Samstag in Dortmund. Wegen der starken Belastung des Pflegepersonals könnten die Geschehnisse in einem Krankenhaus in Sonthofen im Allgäu nicht als Einzelfall verstanden werden. dpa

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