Pfusch am Bau : Brückeneinsturz in China - mindestens 29 Tote

Beim Einsturz einer Autobahnbrücke in China sind mindestens 29 Menschen ums Leben gekommen. Die Brücke stand kurz vor ihrer Fertigstellung. Als ein Gerüst entfernt wurde, stürzte sie ein.

070814brueckeneinsturz
Die Brücke stürzte auf der gesamten Länge ein. -Foto: AFP

PekingNach dem Unglück in der zentralchinesischen Provinz Hunan werden noch etwa 40 Menschen vermisst. Wie das chinesische Amt für Arbeitsschutz mitteilte, brach die Brücke über den Fluss Tao zusammen, während die Arbeiter mit den letzten Aufräumarbeiten beschäftigt waren. 56 konnten gerettet werden, teils schwer verletzt. Die genaue Unglücksursache ist bislang unklar. Nach Angaben des Kommunikationsministeriums wurden viele Brücken in den vergangenen Jahren allzu rasch hochgezogen. Die Regierung will nun bis 2010 rund 6300 potenziell einsturzgefährdete Brücken prüfen lassen.

Die Unglücksstelle liegt im Bezirk Fenghuang, der wegen seiner Gebirgslandschaften und seiner alten Bauwerke ein beliebtes Touristenziel ist. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua bauten die Arbeiter gerade die Baugerüste ab, als die 268 Meter lange und 42 Meter hohe Brücke einbrach. Zu dem Zeitpunkt befanden sich noch 123 Arbeiter auf der Baustelle. 56 von ihnen arbeiteten noch auf der Brücke, Dutzende weitere unter ihr. "Es war unglaublich" zitierte Xinhua einen Augenzeugen namens Jiang. "Überall weinten Menschen, Hunderte versuchten, bei den Rettungsarbeiten zu helfen". Bergungskräfte setzen die Suche nach Vermissten in den tonnenschweren Trümmern weiter fort. Sie haben allerdings kaum noch Hoffnung auf Überlebende.

Verzicht auf Sicherheitsstandards - aus Profitgier

Nach Angaben von Xinhua wurden der Projektmanager sowie der Bauleiter von der Polizei verhört. Wie die Tageszeitung "China Daily" unter Berufung auf das Kommunikationsministerium berichtete, sind viele alte Brücken dem rasant gestiegenden Autoverkehr nicht mehr gewachsen. Jüngere Brücken wiederum wurden aus Profitgier oftmals innerhalb kürzester Zeit fertiggestellt - unter Verzicht auf die üblichen Sicherheitsstandards.

"Früher brauchten wir ein Jahr, um eine Brücke zu bauen, heute wird sie in der Regel in einem Monat hochgezogen", sagte der Leiter des Bauingenieur-Verbands, Xiao Rucheng", dem Blatt. Um den Zeitplan einzuhalten, werde auch bei heftigem Regen gearbeitet, obwohl jeder wisse, dass auf diese Weise Risse im Beton programmiert seien.

Das Kommunikationsministerium kündigte eine Überprüfung von rund 6300 Brücken an, die Baumängel oder bereits Schäden aufweisen. Mit der Maßnahme zog die Regierung laut den chinesischen Medien allerdings nicht die Konsequenzen aus den Vorfällen im eigenen Land - sondern aus dem spektakulären Brückeneinsturz in den USA vor rund zwei Wochen. (mit AFP)