Philippinen : Hunderte Menschen von Schlammlawine verschüttet

Ein verheerender Erdrutsch hat auf den Philippinen rund 500 Häuser unter sich begraben. Behörden rechneten mit mindestens 200 Todesopfern.

Manila - Der Chef des Roten Kreuzes auf den Philippinen, Richard Gordon, geht von 300 Toten aus. Helfer bargen vorerst 24 Leichen. Mehr als hundert Menschen wurden lebend gerettet. Nach Einbruch der Dunkelheit wurden die Sucharbeiten unterbrochen.

Auch eine Grundschule mit knapp 300 Schülern wurde verschüttet, als sich ein Teil eines Berges löste und das Dorf Guinsaugon in eine Schlammwüste verwandelte. Wahrscheinlich seien 90 Prozent von ihnen nicht mehr am Leben, sagte ein Rotkreuz-Sprecher. Die Vermisstenzahl schwankte zunächst zwischen einigen hundert und mehr als 1500.

Zum Unglücksort entsandte Soldaten begannen zunächst mit bloßen Händen und einigen Schaufeln in den Erdmassen nach Verschütteten zu graben. Den Einsatzkräften bot sich ein Bild völliger Verwüstung: Reste verbogener Blechdächer und umgeknickte Kokospalmen ragten aus dem rötlichen Morast, der sich über zehn Hektar erstreckte. «Hier gibt es nichts als wässrigen Schlamm», sagte Armeesprecher Oberst Raul Parnacio, der als einer der ersten Helfer in Guinsaugon in der östlichen Provinz Süd-Leyte eingetroffen war. Es sei schwierig, überhaupt Häuser oder das verschüttete Schulgebäude ausfindig zu machen.

Zum Zeitpunkt des Unglücks seien 276 Schüler und sieben Lehrer in der Grundschule gewesen, sagte die Gouverneurin von Süd-Leyte, Rosette Lerias. Auch ein Gesundheitszentrum sei begraben worden. In Guinsaugon lebten schätzungsweise rund 3000 Menschen.

Vor dem Erdrutsch hatten schwere Monsun-Regenfälle zwei Wochen lang die Region heimgesucht. Zudem erschütterte am Morgen ein Erdbeben der Stärke 2,6 die Gegend, was nach Einschätzung der Behörden die Schlammlawine vermutlich mit auslöste. «Vor dem Erdrutsch hat der Boden gezittert», berichtete Maria Lim, Bürgermeisterin der Stadt Saint Bernard, zu der Guinsaugon gehört. «Sekunden später ist der Schlamm vom Berg heruntergekommen.»

Gouverneurin Lerias bat verzweifelt um zusätzliche Hilfe. «Wir brauchen Seile, Leichensäcke, Tragen für die Überlebenden und Mediziner», sagte sie. Es sei sehr schwer, in das Unglücksgebiet zu gelangen und dort zu suchen. «Wer auf den Schlamm tritt, versinkt darin», berichtete Lerias. «Der Morast ist mehrere Meter tief, was unsere Arbeit sehr erschwert. Unser Einsatzgerät bleibt im Schlamm stecken oder versinkt sogar darin.» Vorsorglich seien 1500 Menschen aus Nachbarorten in sichere Quartiere gebracht worden.

Die philippinische Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo ordnete an, jedes nötige und verfügbare Gerät schnell zum Unglücksort zu schaffen, um die Sucharbeiten zu unterstützten. «Alle Möglichkeiten der Regierung werden ausgeschöpft», versicherte sie.

Bundespräsident Horst Köhler drückte sein Beileid aus. «Angesichts dieser Katastrophe möchte ich Ihnen und der Bevölkerung der Philippinen meine tief empfundene Anteilnahme übermitteln. Unsere Gedanken sind bei allen, die um das Leben ihrer Lieben bangen.» In einem Beileidsschreiben an Arroyo schrieb Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit «großer Betroffenheit habe ich von der schrecklichen Katastrophe in Ihrem Land erfahren, die das Leben vieler Menschen gefordert hat. Ich möchte Ihnen, dem philippinischen Volk, den Angehörigen der Opfer und den Leidtragenden mein tief empfundenes Mitgefühl aussprechen.»

Im Dezember 2003 waren bei einem Erdrutsch in derselben Provinz rund 300 Menschen getötet worden. Für das Unglück wurde der massive illegale Holzeinschlag in der Gegend verantwortlich gemacht. Erst am vorigen Sonntag starben in einem Dorf in der Nähe des Unglücksorts ebenfalls durch eine Schlammlawine mindestens acht Menschen. (tso/dpa)

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