Welt : Picasso-Werk in den Müll geworfen

Merkwürdiger Kunstraub nimmt bizarres Ende

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Ein Picasso, ein Braque, ein Modigliani, ein Matisse und ein Léger – noch sucht die Polizei nach den fünf Meisterwerken, die im Mai vergangenen Jahres aus dem Musée d’Art Moderne in Paris geraubt wurden. Doch möglicherweise vergebens. Denn nach Aussage eines der drei Ganoven, die kürzlich als mutmaßliche Täter in dieser Affäre festgenommen wurden, dürften die Gemälde im Wert von 100 Millionen Euro unwiederbringlich verschwunden sein – bei der Pariser Müllabfuhr.

Ein Jahr nach dem spektakulären Kunstraub, der weltweit Schlagzeilen machte, war die Polizei in diesem Frühjahr dem Haupttäter Vrejan T. im Zuge von Ermittlungen mehrerer Einbrüche auf die Spur gekommen. Mit dem vorbestraften 43-Jährigen, einen angeblichen Spezialisten für Fassadenkletterei, wurden Jean-Michel C., ein 56-jähriger Antiquitätenhändler, sowie Jonathan B., ein 43-jähriger Uhrmacher, festgenommen. Der Uhrmacher kam nach seiner Vernehmung wieder auf freien Fuß. Was sich im Rückblick als Fehler erweisen könnte. Denn die fünf berühmten Gemälde befanden sich bis zu ihrem endgültigen Verschwinden vermutlich bei ihm. Nach der Verhaftung seines Komplizen sei er, wie er nach seiner neuerlichen Festnahme Ende September den Fahndern sagte, in Panik geraten und habe die Ware, die ihm zu heiß geworden war, in einem Müllcontainer entsorgt. Vrejan T. war in der Nacht vom 19. zum 20. Mai 2010 in das an der Avenue du Président Wilson im 16. Pariser Arrondissement gelegene Museum durch ein Fenster eingestiegen. Zuvor hatte er die Örtlichkeiten ausgekundschaftet und sich, wie er im Verhör sagte, über das unzulängliche Sicherheitssystem gewundert. Sein Augenmerk habe einem Werk von Léger, „Les Disques dans la ville“, gegolten, für das ein potenzieller Käufer bei dem Antiquitätenhändler C. 40 000 Euro geboten habe. In der fraglichen Nacht war das Bild aber gegen ein anderes Gemälde von Léger, „Nature morte aux chandeliers“, ausgetauscht gewesen. So habe er dieses Bild gegriffen und, da er durch keine Alarmanlage und keinen Wächter gestört worden war, auch noch vier weitere Gemälde mitgehen lassen: „Le Pigeon aux petits pois“ von Picasso, „La Pastorale“ von Matisse, „L’Olivier près de l’Estracque“ von Braque und „La Femme à l’Eventail“ von Modigliani.

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