Welt : Planschen im Großstadtfluss

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Von Sascha Klettke, Hamburg

Ein bisschen soll es wie zu Kaisers Zeiten werden: Mehr als 10 000 Menschen werden morgen an den Strand der Elbe gehen und ein Bad nehmen. Das hoffen die Deutsche Umwelthilfe und der Verlag Gruner & Jahr, die zum „1. Internationalen Elbebadetag“ aufrufen. „Nach dem Lachs kommt auch der Mensch zurück in den Fluss“, sagte Projektleiter Roberto Epple von der Deutschen Umwelthilfe bei der Vorstellung des Badetages in Hamburg. An 56 Orten in Deutschland und Tschechien werden Badefeste gefeiert. Doch an einigen Stellen warnen die Behörden vor dem Bad im Flusswasser.

Zur Zeit der Wende galt die Elbe als der dreckigste Fluss Europas, ein großer Teil der Fischarten war verschwunden. Nach der Wende in der DDR und in Tschechien wurde kräftig investiert, um den Patienten Elbe zu heilen. 240 neue Kläranlagen wurden entlang des Flusses gebaut, allein in Deutschland wurden mehr als drei Milliarden Euro ausgegeben. Heute schwimmen in der Elbe wieder 94 Fischarten - fast so viele wie vor der Verunreinigung des Flusses. Nur der Atlantische Stör fehlt noch. Das Wasser der Elbe entspricht weitgehend den Kriterien der EU-Richtlinie für Badegewässer. „In 48 Orten stehen die Ampeln für den Badetag auf Grün, in acht stehen sie auf Orange und könnten auf Rot umspringen“, erklärte Organisator Epple. An den acht Badestellen wurden in den vergangenen Tagen erhöhte Mengen von Kolibakterien gemessen. Vor allem im Raum Dresden wird der Grenzwert der EU-Badegewässerverordnung überschritten. Die Ursache dafür: Einleitungen aus den kommunalen Klärwerken, Kolibakterien werden vom Menschen auf der Toilette ausgeschieden.

Das Problem ist für Elbe-Badegäste nicht neu. Schon in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts beschwerte sich ein Chronist über die „extremen Verunreinigungen der Elbe mit organischen Substanzen der kommunalen Abwässer aus Dresden und Halle.“ Heute könnte man allerdings mit Geld nachhelfen, damit der Fluss auch dort dauerhaft Badewasserqualität hat. Die Keime ließen sich zum Beispiel mit UV-Bestrahlung in den Klärwerken unschädlich machen.

Wenn das Wasser noch sauberer wird, könnten auch wieder Flussbadeanstalten gebaut werden – wie zu Kaisers Zeiten.

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