Welt : Plant das US-Militär den Computerkrieg? Rätsel um geheimnisvolle

Sondereinheit

Kurt Sagatz

Für die US-Hightech-Postille „Wired“ kann die neue Pentagon-Einheit nur eines bedeuten: Sie ist „die weltweit gefährlichste Hackertruppe, ein super-geheimes, Multi-Millionen-Dollar Waffenprogramm, das den unblutigen Cyberwar gegen feindliche Netzwerke vom Stromnetz bis zur Telefonversorgung starten kann“, schreibt das Magazin und hat damit im Netz die Diskussion um elektronische Kriegsführung und Computer-Netzwerk-Attacken (CNA) neu entfacht. Seither wird auf Internetseiten wie „Telepolis“ oder auf „Spiegel online“ heftig über den „Krieg der Computer“ diskutiert.

Im Detail bekannt ist allerdings wenig: Fest steht, dass ein hoher US-Militär bei einer Anhörung vor dem Senat in Washington die Existenz des „Joint Functional Component Command for Network Warfare“ (JFCCNW) eingestanden hat. Zu deren Aufgaben soll die Verteidigung aller Netzwerke des Pentagons gehören. Daneben soll die Einheit verantwortlich sein für „streng geheime Missionen von Computer-Netzwerk-Attacken“, schreibt „Wired“ und vermutet, dass neben den vier amerikanischen Waffengattungen auch CIA, NSA, FBI sowie zivile und militärische Repräsentanten alliierter Nationen beteiligt sein sollen.

Der Vergleich der neuen Pentagon-Einheit mit Hackern wäre nicht abwegig. Im Kampf gegen den Terror geht es einerseits um die Verteidigung der US-Infrastruktur vor den rund 75000 Computerangriffen pro Jahr. Andererseits wird seit einiger Zeit über Möglichkeiten zur Ausschaltung missliebiger Internetseiten – durch so genannte Denial-of-Service-Attacken – diskutiert. Das Internetvideo von der Enthauptung des US-Bürgers Nicholas Berg im vergangenen Jahr hatte eine Debatte ausgelöst, ob die Vereinigten Staaten das Recht und die Mittel hätten, eine solche Webseite abzuschalten. Sich dabei auf fremde Hilfe zu verlassen, sei unrealistisch, zitiert „Wired“ die Expertin für islamistische Terrorseiten, Rita Katz. Zwar habe Malaysia den im eigenen Land befindlichen Server mit dem Enthauptungsvideo geschlossen. Dies habe jedoch einen Tag gedauert und bis dahin habe das Video längst seinen weltweiten Weg als globales Anwerbewerkzeug für die Terror-Gruppen genommen. Die Frage ist jedoch auch, welche Gefahren damit verbunden sind. „Wenn einmal die Enter-Taste gedrückt wurde, kann niemand die Folgen kontrollieren“, warnt der ehemalige US-Geheimdienstmann Dan Verton. „Wenn die Regierung ein Virus losschickt, um ein feindliches Netzwerk, dessen Radar oder die Stromversorgung lahm zu legen, weiß niemand, was das Virus danach tun wird.“

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