Pleite bei Tourismusunternehmen : Medwedew schaltet sich ein

Nach der Pleite mehrerer russischer Tourismusunternehmen sind tausende Reisende unfreiwillig zu Abenteuerurlaubern geworden. Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew kritisiert die staatliche Tourismusbehörde wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht.

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Bild aus besseren Tagen. Regierungschef Medwedew inspiziert eine Dobroljot-Maschine. Die Airline stellte inzwischen ihren Betrieb ein.
Bild aus besseren Tagen. Regierungschef Medwedew inspiziert eine Dobroljot-Maschine. Die Airline stellte inzwischen ihren Betrieb...Foto: dpa

Mehrere tausend russische Touristen sind unfreiwillig zu Abenteuerurlaubern geworden. Hotels auf Kreta und den Kanaren setzen die Urlauber erbarmungslos auf die Straße. Den Transfer zum Flughafen müssen sie selbst organisieren und bis auf Weiteres auch selbst bezahlen. Und dann tagelang warten, bis ihre persönliche Nummer für den Transport zurück zu Mutter Heimat von diversen Charterfliegern aufgerufen wird. Gleich sechs russische Tourismusunternehmen sind seit Saisonbeginn pleitegegangen, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Zwar versuchen die betroffenen Unternehmen das Desaster vor allem mit den westlichen Sanktionen infolge der russischen Ukraine-Politik zu erklären. Und grundsätzlich sind die Buchungszahlen in Russland angesichts der Rubelschwäche, die auch mit der Ukraine-Krise zusammenhängt, zurückgegangen. Im Fall der insolventen russischen Tourismusunternehmen vermuten die Fahnder allerdings Misswirtschaft und Korruption als Ursache für die Firmenpleiten.

Sogar Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew sah akuten Handlungsbedarf und kritisierte daher auch die staatliche Tourismusbehörde wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht. Genervt keilte deren Sprecher zurück: „Die Russen sollten lieber Urlaub in Russland machen.“ Der Beamte ahnte nicht einmal, in welches Fettnäpfchen er damit getreten war. Denn just, als die Pressevertreter ihn am Montag mit unangenehmen Fragen piesackten, gab die Airline Dobroljot ihren Geist auf. Die Billigtochter des Staatscarriers Aeroflot hätte eigentlich gewährleisten sollen, dass die Nation sich wieder von der russischen Sonne bräunen lässt. Die Fluggesellschaft sollte vor allem die Strände der Krim ansteuern, die bis März zur Ukraine gehörte. Genau das wurde der Günstig-Airline jetzt zum Verhängnis.

Erst im Juni gegründet, flog Dobroljot vor allem die Krim-Hauptstadt Simferopol an. Die Preise galten in Russland mit teilweise umgerechnet weniger als 100 Euro durchaus als „demokratisch“ – ein Ausdruck, der in Russland als Synonym für günstig gilt. Dabei konnten die Krim-Touristen auch noch ein gutes Gewissen haben, weil sie mit ihrem Urlaub zur Entwicklung der derzeit noch sehr strukturschwachen Region beitrugen.

Die EU-Kommission sah das offenbar ähnlich und setzte die Airline letzte Woche im Zuge der Wirtschaftssanktionen auf die schwarze Liste. Zügig kündigten daraufhin die Geschäftspartner in Westeuropa Dobroljot sämtliche Leasing- und Wartungsverträge, dazu die Versicherungen. So jedenfalls stellte es am Montag ein sichtlich verstörter Unternehmenssprecher dar. Zwar sollen nun andere Airlines die verhinderten Dobroljot-Passagiere zu den Zielorten bringen. Doch angesichts der 95 000 Tickets, die Dobroljot seit der Gründung verkauft hatte, dürfte das zu einer echten Herausforderung werden.

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