Polen : Angler finden alte Dirham-Münzen aus Gold und Silber

Sie suchten Würmer und entdeckten einen Schatz: Zwei Angler haben in Westpommern alte arabische Dirham-Münzen gefunden - und brav beim Museum abgegeben. Mit den Münzen wurden früher womöglich slawische Sklaven für den arabischen Raum gekauft.

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Nach dem Fund alter arabischer Münzen in Polen suchen Archäologen das Gebiet nach weiteren Funden ab.
Nach dem Fund alter arabischer Münzen in Polen suchen Archäologen das Gebiet nach weiteren Funden ab.Foto: dpa

Niemand kennt die Glückspilze aus dem westpommerschen Szeczinek. Nur so viel ist bekannt: Sie haben sich vorbildlich verhalten. Dies attestierte ihnen Ireneusz Markanicz, der Direktor des Regionalmuseums. Ihm überreichten die zwei passionierten Angler nämlich unversehens mehr als 1000 Gold- und Silbermünzen. Auf Internetauktionen hätten sie für jede Münze bis zu 240 Euro erzielen können. Doch die Hobbyangler waren ehrliche Leute.

Eigentlich stand ihnen der Sinn nach anderer fetter Beute. Bei der Ködersuche am Seeufer stießen sie indes statt auf Würmer auf alte arabische Münzen. Die meisten der mehr als 10oo Jahre alten Münzen waren absichtlich zerbrochen worden, doch gut zwei Dutzend Dirham blieben ganz erhalten. Auf Bitten des Regionalmuseums schwiegen die Angler, die den Fund bereits vor Wochen machten.

Während die beiden Angler aus Szeczinek ihre Ruten am gegenüberliegenden Ufer ins Wasser hielten, untersuchten Archäologen aus Koszalin Quadratzentimeter für Quadratzentimeter.

Rund 1300 Münzen mit arabischen Inschriften kamen dabei zusammen mit dem Fund der Hobbyangler zum Vorschein. Die meisten sollen aus dem 9. und 10. Jahrhundert stammen und in Samarkand, das heute in Usbekistan liegt, geprägt worden sein. „Sie sind in einem fantastischen Zustand“, sagte Museumsdirektor Markanicz bei der pressewirksamen Veröffentlichung des Fundes.

Von Wikingern gebracht?

Einige der Münzen hat er inzwischen nach Krakau ins Nationalmuseum für weitere Untersuchungen geschickt. Dort ist man laut einem Bericht des Privatfernsehsenders TVN24 ebenso hoch erfreut. Einige der Münzen sind offenbar wesentlich älter und stammen von den Abbasyden und Samaniden. Darunter ist offenbar ein seltenes Dirham-Fragment aus den Jahren 750-775. „Das ist ein sehr interessanter Fund“, freute sich deshalb Dorota Mularczyk vom Nationalmuseum im Gespräch mit TVN24.

Polnische Archäologen vermuten, dass die arabischen Dirham-Münzen von den für ihre weitläufigen Handelskontakte bekannten Wikingern nach Westpommern gebracht und dort als Zahlungsmittel verwendet wurden. Regionalmuseumsdirektor Markanicz spekulierte vor der Presse darüber, ob damit vielleicht gar slawische Sklaven für den arabischen Raum bezahlt wurden.

Der Dirham war im ganzen arabischen Raum jahrhundertelang als Zahlungsmittel im Umlauf und wurde nach Gewicht gehandelt. Deshalb wurden die Münzen oft absichtlich in kleinere Einheiten zerbrochen. Ein Teil dieser Münzfragmente kann in Szeczinek bis Ende August besichtigt werden.

Die beiden ehrlichen Angler sollen vom Bürgermeister ausgezeichnet werden und dabei auch eine kleine Belohnung erhalten.


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