Polen : Gestohlener Auschwitz-Schriftzug wiedergefunden

Drei Tage nach dem Diebstahl ist der eiserne Schriftzug "Arbeit macht frei" der KZ-Gedenkstätte Auschwitz wieder da. Die polnische Polizei nahm fünf Verdächtige fest.

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Nur eine Kopie: Der zynische Original-Schriftzug der Nazis über dem ehemaligen Konzentrationslager in Auschwitz wurde gestohlen. -Foto: dpa

Weithin Erleichterung: Die Polizei konnte den gestohlenen Schriftzug "Arbeit macht frei" vom Eingangstor des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz sicherstellen. Das Schild sei am Sonntagabend in einer Stadt in Nordpolen entdeckt worden, sagte eine Polizeisprecherin. Wie die polnische Presseagentur PAP berichtet, haben die Diebe den Schriftzug in drei Teile zerlegt.

Wie die Polizei weiter mitteilte, nahmen Beamte fünf Verdächtige fest. Die Männer sind zwischen 20 und 39 Jahre alt. "Wir können sagen, dass keiner der fünf einer Neo-Nazi-Gruppe angehört", sagte der Polizeichef von Krakau. Die Verdächtigen hätten das eiserne Schild stattdessen zweifelsfrei aus kriminellen Motiven gestohlen. Es sei jedoch noch unklar, ob die Männer zu der Tat angestiftet worden seien.

Die Täter hatten den historischen Schriftzug am Freitagmorgen abmontiert und unbemerkt vom Gelände der KZ-Gedenkstätte weggebracht. Das Auschwitz-Museum, die Polizei und anonyme Spender setzten eine Belohnung von rund 27.500 Euro für Hinweise zur Wiederbeschaffung des Schriftzuges aus. Mehrere Dutzend Beamte der Krakauer Polizei waren an der Fahndung beteiligt.

Der Diebstahl hatte weltweit für Empörung gesorgt. Der Präsident der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Israel, Avner Schalev, sprach von einem Anschlag auf die Erinnerung an die Judenvernichtung. Der Präsident des Auschwitz-Komitees, Noach Flug, bezeichnete den Diebstahl als ein sehr schlechtes Zeichen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu rief Polens Behörden auf, die Täter zu fassen. Der polnische Regierungschef Donald Tusk versprach, den Fall mit "absoluter Priorität" zu behandeln. 

Der Sprecher des Auschwitz-Museums, Pawel Sawicki, sagte, der Schriftzug solle wieder über dem Eingangstor aufgehängt werden. Vorher seien aber noch Restaurationsarbeiten erforderlich. Auch müssten die Sicherheitsvorkehrungen verbessert werden. Sawicki ließ offen, ob das Originalschild noch vor dem 65. Jahrestag der Befreiung des KZs durch die sowjetischen Soldaten am 27. Januar 1945 angebracht werden kann. Jetzt hängt über dem Tor eine Kopie.

In Auschwitz kamen etwa 1,5 Millionen Menschen zu Tode, die meisten von ihnen Juden. Die Gefangenen betraten das KZ gewöhnlich durch ein Tor, über dem – wie in vielen anderen Konzentrationslagern – der Spruch "Arbeit macht frei" hing. Die Formulierung wurde zum Symbol für die zynischen Täuschungsmanöver, mit denen die Nationalsozialisten ihre Opfer vor der Ermordung in falscher Sicherheit wiegten. Viele Gefangene wähnten sich zunächst in einem Arbeits- und nicht in einem Vernichtungslager.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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