Welt : Polen überprüft Sanitäter

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In Polen schlägt der Skandal um den Leichenhandel beim Notfalldienst in Lodz hohe Wellen. Nach Zeitungsberichten, wonach Rettungsärzte Patienten sterben ließen und gar ermordeten, um die Leichen-Provisionen von Bestattungsunternehmen einzustreichen, hat Gesundheitsminister Mariusz Lapinski seinen Urlaub abgebrochen und die landesweite Überprüfung aller Notfallsdienste angeordnet: "Wir müssen die Rettungdienste von den schwarzen Schafen säubern."

Kontrolliert werden soll vor allem, ob auch die Erste-Hilfe-Teams in anderen Städten Zugriff auf muskellähmende Narkose-Mittel haben: Die Tageszeitung "Gazeta Wyborcza" hatte am Mittwoch berichtet, dass Rettungsärzte in Lodz in Lebensgefahr schwebende Patienten auch tödliche Narkotika-Dosen injiezierten, um sich die Prämien der Beerdigungsunternehmen bei Lieferung einer Leiche zu sichern. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, müsse von einer "Entartung aller ethischen Regeln und Menschlichkeit" gesprochen werden, reagierte Polens Päsident Aleksander Kwasniewski bestürzt.

Die Warschauer Zeitung "Zycie Warzawy" berichtete unterdessen, dass auch in Polens Hauptstadt Bestattungsunternehmen für die Lieferung von Leichen Prämien bis maximal 2500 Zloty (715 Euro) zu zahlen pflegen: Allerdings gebe es dort bislang keine Hinweise, dass Rettungsärzte sterbende Patienten nicht behandelten oder gar ermordeten.

Sprecher der katholischen Kirche reagierten auf die "abscheulichen" Enthüllungen bestürzt, verglichen sie mit den menschenverachtenden Praktiken der Nationalsozialisten. Eher zynisch wirkt hingegen der Ratschlag von Witold Skrzydlewski, einer der größten Bestattungsunternehmer in Lodz: Im Notfall solle man dem angerückten Sanitäterteam am besten 2000 Zloty bieten, um den "Rettungsprozess" von in Lebensgefahr schwebenden Angehörigen zu sichern.

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