Politisches Druckmittel? : Sexstreik in Kenia geht zu Ende

Zehn Frauengruppen wollen mit Beischlafentzug die Regierung unter Druck setzen. Inzwischen macht sogar die Frau des Premierministers mit.

Dagmar Dehmer

Berlin - Sogar Ida Odinga hat sich jetzt dem einwöchigen Sexstreik angeschlossen, der an diesem Dienstag in Kenia enden soll. Die Frau des Premierministers Raila Odinga sagte dem britischen Sender BBC, auch sie verlange von ihrem Mann und dem Präsidenten Mwai Kibaki, dass sie aufhören sollten „darüber nachzudenken, wer der Chef von diesem oder jenem werden sollte“. Kibaki und Odinga bilden eine große Koalition, die nach allgemeiner Einschätzung bisher nichts Wesentliches geleistet hat. Sie war auf Vermittlung des früheren UN-Generalsekretärs Kofi Annan nach der gewalttätig verlaufenen Wahl Ende 2007 gebildet worden.

Vor einer Woche riefen zehn kenianische Frauengruppen einen einwöchigen Sexstreik aus. Sie erhofften sich mehr Druck auf die große Koalition, endlich die versprochenen Reformen auf den Weg zu bringen. Dabei geht es neben einer neuen Verfassung um die Neuberufung einer Wahlkommission und ein plausibles Wählerregister. Bei der Wahl 2007 standen hunderttausende Tote auf den Wahllisten. Wahlbetrug war so weit verbreitet gewesen, dass eine Kommission unter dem südafrikanischen Richter Christiaan Kriegler feststellte, es sei objektiv unmöglich, herauszufinden, wer die Wahl gewonnen habe.

Ob der Boykott massenhaft befolgt worden ist, lässt sich nicht feststellen. Doch die Frauengruppen haben vorsorglich Prostituierte dafür bezahlt, dass sie nicht arbeiten. Die überwiegend männlichen Kommentare in der kenianischen Presse waren so gehässig, dass zumindest nicht auszuschließen ist, dass viele dem Aufruf gefolgt sind – mit Ausnahme der muslimischen Frauen. Die muslimische Politikerin Amina Abdallah aus Mombasa hatte darauf hingewiesen, dass ein Sexboykott gegen die islamischen Gesetze verstoße und die Frauen zudem riskierten, „verflucht zu werden“. Ein Kommentator schrieb in der Tageszeitung „The Daily Nation“ erbost: „Die Aktivistinnen sollten mal besser in den Spiegel gucken und sich fragen, ob überhaupt jemand mit ihnen das Schlafzimmer teilen möchte.“ So unmittelbar erfolgreich wie die Frauen eines türkischen Dorfes, die 2008 mit einem Sexstreik den Bau einer Wasserleitung erzwingen wollten, können die Kenianerinnen angesichts ihres komplexen Anliegens aber kaum gewesen sein. 

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