Polizei: Brandstiftung : Festnahme nach Feuer in Duisburger Wohnhaus

Einen Tag nach dem Wohnhausbrand in Duisburg mit zehn Verletzten hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. In Ludwigshafen laufen die Ermittlungen ebenfalls auf Hochtouren. Türkische Medien spekulieren über ein fremdenfeindliches Motiv. Auf das Haus war schon einmal ein Anschlag verübt worden.

Ludwigshafen Nach dem Feuer in einem Duisburger Wohnhaus am Dienstag geht die Polizei von Brandstiftung aus. Ein Verdächtiger ist vorläufig festgenommen worden.  Bei dem Brand wurden sieben Bewohner und drei Polizisten verletzt. Eine 22-Jährige darunter erlitt schwerste Verletzungen.

In Ludwigshafen zieht sich der Kreis um Motive und Verdächtige enger. Denn es gibt eine Vorgeschiche: Am 1. August 2006 gegen 1.25 Uhr warfen Unbekannte einen Pflasterstein durch das Fenster des türkischen Cafés im Erdgeschoss. Danach schleuderten sie zwei Brandsätze hinterher. Verletzt wurde damals niemand, es entstand ein Schaden in Höhe von etwa 1000 Euro, berichtet Presse-Sprecher Volker Klein von der Ludwigshafener Polizei.

Die Ermittlungen hätten keinen Hinweis auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund des Anschlages gegeben, sagt Klein. Das Verfahren wurde "gegen Unbekannt" geführt, die Täter wurden nie gefasst. Ob ein fremdenfeindliches Motiv für den Anschlag möglich sei? "Es ist viel zu früh, um darüber zu spekulieren", sagt der Sprecher. Die 50-köpfige Sonderkommission, die den Brand jetzt aufklären soll, will die Erkenntnisse von damals wieder aufgreifen.

Das Haus wird jetzt von Brandermittlern untersucht, um der Ursache des Unglücks auf die Spur zu kommen. Zwei Mädchen sind derzeit die Hoffnung von Polizei und Staatsanwaltschaft. Nach ihrer Aussage hatten sie am Brandort einen Mann gesehen, der das Feuer legte. Bislang ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft aber noch vollkommen offen, ob Brandstiftung oder ein technischer Defekt Auslöser für das verheerende Feuer war.

Erdogan schließt fremdenfeindliches Motiv nicht aus

In die Ermittlungen am Ort des Schreckens sollen in den kommenden Tagen auf Wunsch der Regierung in Ankara auch türkische Experten einbezogen werden. Man müsse sich fragen, ob der Grund für dieses traurige Ereignis Fremdenfeindlichkeit sei, sagt Regierungschef Recep Tayyip Erdogan. Er will - falls nötig - bei seinem Deutschland-Besuch in den kommenden Tagen auch den Brandort in Ludwigshafen besuchen.

Am Mittwoch wollen sich dort die Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer, und der türkische Staatsminister Mustafa Said Yazicioglu ein Bild von der Tragödie machen. Der türkische Präsident Abdullah Gül hatte angesichts früherer Brandanschläge in Deutschland eine "sorgfältige Untersuchung" gefordert.

Nach den Ergebnissen der Obduktion waren die im Haus gefundenen acht Menschen an Rauchgasvergiftungen gestorben. Eine Frau hatte sich tödlich verletzt, als sie aus dem Gebäude in die Tiefe gesprungen war, um sich vor den Flammen zu retten. (kj/dpa)

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