Welt : Polizei erschießt Behinderten: Spielzeuggewehr irrtümlich für echt gehalten

Ein Behinderter mit einem Spielzeuggewehr in der Hand ist in einem Waldstück bei Ulm durch Polizei-Schüsse getötet worden. Die beiden Beamten hätten die Waffe in der Abenddämmerung am Dienstag für echt gehalten und sich bedroht gefühlt, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Der 28-Jährige erlitt schwere Verletzungen und starb wenig später in einem Krankenhaus. Die Ulmer Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen die Beamten. Nach ersten Untersuchungen war der geistig behinderte Mann von mindestens einer Kugel in Leiste oder Unterleib getroffen worden, sagte Oberstaatsanwalt Konrad Menz am Mittwoch.

Der Behinderte war zuvor von seinem Heim als vermisst gemeldet worden. Ein Sprecher des Heimes sagte am Tag nach dem Unglück, der 28-Jährige sei nicht als angriffslustig bekannt gewesen. Sein Spielzeuggewehr habe für ihn eher die Funktion eines Teddybären gehabt. Im Wald hatten Spaziergänger den Mann beim Hantieren mit seinem Spielzeuggewehr beobachtet und die Polizei alarmiert. Als die Polizisten eintrafen, habe der Mann sie sofort mit seiner Waffe bedroht. Wegen der schlechten Sicht in dem dicht bewachsenen Waldstück hätten die Beamten die Waffe allerdings nicht als Nachbildung erkannt. Trotz der Aufforderung, stehen zu bleiben und die Waffe wegzuwerfen, sei der Mann auf die Polizisten losgegangen und habe die Waffe auf sie gerichtet.

Der baden-württembergische Polizeipräsident Hetger forderte ein Verbot für täuschend echt aussehende Spielzeugwaffen. In den Jahren 1997 bis 1999 habe es in Baden-Württemberg fast 200 Fälle gegeben, in denen Straftäter ihre Opfer mit originalgetreuen Nachbildungen einschüchterten.

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