Welt : Polizei weitet Suche nach Zurwehme aus

STADTHAGEN (AP). Bei der fieberhaften Suche nach dem flüchtigen Mörder Dieter Zurwehme hat die Polizei am Dienstag ihre Kräfte erneut verstärkt. Mehr als 100 verdeckte und offene Ermittler setzten die Suche nach dem gefährlichen Gewaltverbrecher im Grenzgebiet zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen fort. Das Fahndungsgebiet sei vergrößert und der Druck auf Zurwehme nochmals erhöht worden, sagte Einsatzleiter Dietrich Klingbeil bei einer Pressekonferenz in Stadthagen. "Wir sind uns sehr sicher, daß sich der Mann noch in dieser Gegend aufhält", erklärte er.Außerdem gab es Spekulationen über einen Leichenfund an der Bundesstraße 61 im ostwestfälischen Minden. Einsatzleiter Klingbeil unterstrich, bisher sei kein Zusammenhang mit Zurwehme erkennbar. Nach Untersuchungen der Staatsanwaltschaft wird ein Zusammenhang sogar mit höchster Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen. Ein Autofahrer hatte die Leiche gegen 3 Uhr 30 an der B 61 gefunden.Klingbeil warnte die Bevölkerung eindringlich davor, auf eigene Faust gegen Zurwehme aktiv zu werden. "Bei einem Täter dieser Couleur gibt es nicht viel Logik." Am Vormittag hatten die Beamten in einem Maisfeld bei Hespe (Niedersachsen) möglicherweise erneut Spuren des Flüchtigen entdeckt. In dem Gelände am Mittellandkanal fanden sie eine wenige Tage alte Zeitung und zwei angebissene Würstchen. Ein ebenfalls in dem Feld entdecktes Klappmesser hatte ein Mitglied des Suchtrupps dort verloren. Ob die übrigen Fundstücke von dem 57 Jahre alten mutmaßlichen "Mörder von Remagen" stammen, wird derzeit noch überprüft.Nach Angaben eines Polizeisprechers hat Zurwehme trotz der Großfahndung nach wie vor alle Chancen, seinen Verfolgern zu entkommen: "In dem sehr unübersichtlichen Gelände kann er sich noch lange verstecken." Es sei nicht auszuschließen, daß der Gesuchte unter Umständen sogar einen Ausweg aus dem von Einsatzkräften abgeriegelten Gebiet finde.Unterdessen sorgten Hinweise aus der Bevölkerung bis nach Köln für Aufregung. In Pulheim wollte ein Zeuge Zurwehme bei gymnastischen Übungen in einem Waldstück gesehen haben. Die Suchaktion blieb am Dienstag erfolglos. Ein Wirt in einem Lokal im westfälischen Petershagen-Quetzen soll dem Verbrecher am Montag ein Bier serviert haben. Einen Bericht des "Mindener Tageblatts", wonach der Wirt den 57jährigen für einen Wohnungslosen gehalten habe, wollte die Gesamteinsatzleitung der Polizei in Stadthagen nicht bestätigen.Zurwehme soll im März im rheinischen Remagen zwei Ehepaare ermordet haben. Nach Erkenntnissen der Polizei ist er mit einer Pistole und einem Messer bewaffnet. Die Ermittler stufen Zurwehme als gefährlich und unberechenbar ein. Der bereits wegen anderer Kapitalverbrechen verurteilte Gewalttäter war den Fahndern am Wochenende mehrfach knapp entkommen. Ein Polizeisprecher in Stadthagen äußerte die Vermutung, daß der 57jährige Zurwehme sich seit Tagen "im Schaumburger Wald herumtreibt" und dort möglicherweise sogar ein Lager hat. Nach einem Hinweis von Waldarbeitern wurde auch ein Wald in Pulheim bei Köln von der Polizei abgesucht. Zurwehme fanden die Beamten aber auch hier nicht. Die Polizei war nach einer versuchten Vergewaltigung eines 15jährigen Mädchens in Stadthagen auf seine Fährte gestoßen. Das Mädchen hate sich erfolgreich gegen den Angreifer gewehrt.

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