Welt : Polnische Fischer dezimieren den Dorsch in der Ostsee

Hamburg - Illegale Fischerei gilt als eine der größten Gefahren für die Artenvielfalt in den Weltmeeren – und ist ein Riesengeschäft. Bis zu zehn Milliarden Euro werden durch den Handel mit Schwarzfängen laut Bundeslandwirtschaftsministerium jedes Jahr weltweit verdient.

Illegale Fischer jagen nicht nur teuren Thunfisch im Atlantik – auch auf der Ostsee richten sie Schäden an. „Illegale Fischerei ist auch in unseren Breiten ein riesiges Problem“, sagt Greenpeace-Experte Thilo Maack. Vor allem übereifrige Dorschfischer aus Polen machen Ärger.

Rund 40 000 Tonnen des begehrten Speisefischs dürfen Europas Fischer laut EU-Fangquotenregelung pro Jahr aus der Ostsee holen. Doch dabei bleibt es nicht. „Wir wissen, dass 35 bis 45 Prozent zusätzlich durch illegale Aktivitäten entnommen werden“, sagt Christopher Zimmermann vom Institut für Ostseefischerei in Rostock. Der Zusammenbruch der ohnehin schwer geschädigten östlichen Dorschbestände sei durchaus vorstellbar, so Zimmermann. Der Kabeljau heißt in der Ostsee Dorsch. Außer erheblichen Auswirkungen auf das Ökosystem würde dies auch das Ende jeder „wirtschaftlich sinnvollen Befischung“ bedeuten.

Greenpeace und der World Wide Fund for Nature (WWF) veranschlagen die tatsächlich gefangene Dorschmenge sogar auf das Doppelte der EU-Quote. Dafür verantwortlich seien vor allem polnische Fischer. Sie überschritten ihre nationale Fangquote von rund 10 000 Tonnen pro Jahr möglicherweise um mehr als das Doppelte. Im Juli 2007 verhängte die EU ein mehrmonatiges Dorschfangverbot für polnische Fischer in der Ostsee. Doch mit verschärften EU-Kontrollen werde die Gefahr nicht grundsätzlich beseitigt, sagt WWF-Expertin Karoline Schacht. Auf Dauer helfe nur die Verkleinerung der viel zu großen Fangflotten. dpa

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