Welt : Polygamie: Mormone wegen Ehe mit fünf Frauen schuldig gesprochen

Der mit fünf Frauen verheiratete Mormone Tom Green ist im US-Bundesstaat Utah wegen Vielweiberei verurteilt worden. Ein Gericht in der Stadt Provo sprach den 52-Jährigen außerdem schuldig, zu wenig Unterhalt für neun Kinder aus früheren Ehen gezahlt zu haben. Die Staatsanwaltschaft untersucht derzeit, ob Green auch noch wegen Vergewaltigung belangt werden kann, weil eine seiner Frauen bei der Heirat erst 13 Jahre alt gewesen sein soll. Der nach eigener Darstellung tief gläubige Mormone wurde im ganzen Land bekannt, weil er seinen Lebensstil in zahlreichen Fernseh-Talkshows verteidigte. Brown drohen bis zu 20 Jahre Haft. Das Strafmaß soll am 29. Juni verkündet werden.

Das Aufsehen erregende Verfahren gegen Brown war der erste Prozess wegen Vielweiberei in Utah seit einem halben Jahrhundert. Greens fünf Frauen und einige seiner Kinder warteten das Urteil vor dem Gerichtsgebäude ab. Vier der Frauen sind derzeit schwanger. Unter den Ehefrauen ist auch ein Schwesternpaar. Insgesamt soll Green schon 29 Kinder gezeugt haben.

Brown stellte sich vor den Richtern als treu sorgender, frommer Familienvater dar, der von schweren finanziellen Sorgen geplagt wird. Er habe aus Geldmangel mit seinen Frauen und seinen Kindern die Wohnwagensiedlung nahe der Utah-Hauptstadt Salt Lake City verlassen müssen, wo die Sippe zuvor gelebt hatte.

Derzeit seien sie in dem abgelegenen Landkreis Juab in Zentral-Utah in mobilen Unterkünften untergebracht. Bei einem Wohnwagenbrand sei zudem ein dreijähriger Sohn ums Leben gekommen. Green schuldet seinen neun Kindern aus früheren Ehen nach Angaben des Gerichts 100 000 Dollar an Unterhalt.

Die mormonische Kirchenführung hatte die Polygamie 1886 verboten, als Utah den Vereinigten Staaten beitrat. Schätzungen zufolge sind in dem Bundesstaat aber rund 30 000 Mormonen mit mehreren Frauen verheiratet - im Gegensatz zu Green praktizieren sie die Vielweiberei jedoch meist heimlich. Viele von ihnen glauben, dass die mormonische Kirche die Polygamie Ende des 19. Jahrhunderts nur aus politschem Kalkül verbot, um nicht mit den Gesetzen der USA in Konflikt zu geraten. Die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage", so der offizielle Name der Glaubensgemeinschaft, droht mehrfach verheirateten Gläubigen mit Exkommunikation. Seit 1847 wanderten Tausende Mormonen in den dünn besiedelten Staat im Westen der USA ein und bauten dort ein streng religiöses Gemeinwesen auf. Noch heute wird das öffentliche Leben in Utah von Mormonen bestimmt.

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