Pop : Mit StudiVZ und Facebook gegen DSDS

Wer steckt hinter dem Schneeballsystem? Mehrere Facebook-Gruppen wollen gegen einen Erfolg des DSDS-Gewinners kämpfen. Und plötzlich tauchen Blümchen und Led Zeppelin wieder in den Charts auf.

Hamburg - Wer kennt noch Jimmy Page? Der war mal ein echter Superstar. Vor rund 40 Jahren, mit Led Zeppelin. Und wer kennt noch Blümchen? Unter diesem Künstlernamen hatte Jasmin Wagner Mitte der 1990er ihre großen Hits. Jetzt sind sie plötzlich zurück und konkurrieren mit Mehrzad Marashi, dem Gewinner der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS), um die Spitze der Charts. Musikdownloads sind zum „Kampfmittel“ geworden. Gegen das Castingsystem? Dahinter stecken mehrere Gruppen in den Sozialnetzwerken Facebook und StudiVZ. Sie haben dazu aufgerufen, gegen einen Erfolg des DSDS-Gewinners zu kämpfen. „Es geht in keinster Weise gegen Mehrzad“, sagt Martin Kesici, einer der Protagonisten hinter der Aktion. „Es geht um das System dieses Wettbewerbs.“ Er hat Erfahrung mit Castings gesammelt, gewann er doch 2003 die Show „Star Search“ (Sat 1).

Aber funktioniert das? Die Briten haben es vorgemacht. Ende vergangenen Jahres schafften es einige Kritiker der DSDS-ähnlichen Show „The X-Factor“, das alte Stück „Killing In The Name Of“ der amerikanischen Rocker von Rage Against The Machine zu Weihnachten an die Spitze der britischen Hitparade zu führen – anstelle des Castingshowgewinners. Sie hatten zum massenhaften Onlinekauf aufgerufen. Das ist wie ein „Turbolader“ für die eigene Meinung, sagt der Bremer Netzwerkexperte und Psychologe Peter Kruse. Grundsätzlich sei das nicht anders als in Vor-Internet-Zeiten, sagt er. Aber es habe eben doch eine andere Qualität, es sei nicht so leicht kontrollierbar.

„Das Netzwerk verstärkt manchmal sogar mehr, als der Initiator gewollt hat.“ Das gelinge aber nur so lange, wie die anderen Nutzer an die Authentizität solcher Aktionen glauben. Daher sei es ausgeschlossen, wenn etwa Musikfirmen versuchen wollten, selbst mit solchen Gruppen Einfluss zu nehmen.

Auf jeden Fall können sich jetzt sowohl Blümchen als auch die reifen Herren von Led Zeppelin über einen unerwarteten Geldsegen freuen. Dabei geht es gar nicht um Geld. Kesici sagt: „Wir haben absichtlich keinen aktuellen, deutschen Musiker ausgewählt.“ Er sieht es ganz idealistisch: „Wir wollen, dass die Kids verstehen, dass Musik Leidenschaft ist und nicht wegen einer Castingshow die Lehre abbrechen, bei der sie am Ende mit einem Produzenten und einem Label zusammenarbeiten sollen.“ dpa

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