Welt : Pornos, Papst und Predigt

Am heutigen Montag entscheidet Deutsche Bischofskonferenz über Verkauf des Weltbild-Verlags – sein Sortiment erregt Kritik

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München - Es geht um Sex, um Geld und Machtkämpfe: Was sich in der katholischen Kirche um den Augsburger Weltbild-Verlag abspielt, hat alle Zutaten für einen Wirtschaftskrimi. Längst mischt unter dem Beifall von konservativen Kirchenkreisen auch Papst Benedikt XVI. mit, und niemand weiß, welche Wendungen die Geschichte noch nehmen wird. Am Montag gibt es in Würzburg womöglich entscheidende Gespräche über die Zukunft des kirchlichen Konzerns, der fast 1,7 Milliarden Euro im Jahr umsetzt, der zweitgrößte Onlinebuchhändler hinter Amazon und der drittgrößte Versandhändler Deutschlands ist.

Schon vor der Sitzung des geheim tagenden Ständigen Rats der Deutschen Bischofskonferenz sind allerdings wichtige Entscheidungen gefallen. Kurz vor dem Treffen in Würzburg schmiss der Aufsichtsratschef des Weltbild-Verlags, Klaus Donaubauer, die Brocken hin. Der Rücktritt sei vor dem Hintergrund der Debatte der vergangenen Wochen über das Verlagsprogramm zu sehen, teilte das Bistum Augsburg mit.

Die „Debatte der vergangenen Wochen“ nahm ihren Ausgang am rechten Rand der katholischen Kirche. Einschlägige Internetforen und streitbare Gruppen wie das Forum deutscher Katholiken warfen Weltbild vor, Porno- und Esoterikbücher zu verkaufen und damit gegen die katholische Moral zu verstoßen. Die Konservativen starteten eine Kampagne mit Briefen an die zwölf Bischöfe, deren Diözesen die Augsburger Verlagsgruppe gehört. Mit ihrer Hartnäckigkeit schafften es die Weltbild-Kritiker, den Druck auf das Unternehmen stetig zu erhöhen.

Ende Oktober widersprach Weltbild energisch dem Pornografievorwurf und erklärte: „Weltbild bietet in seinem Sortiment keine Pornografie an und hat dies auch noch nie getan.“ Mit einem Anteil von gerade 0,017 Prozent des Gesamtumsatzes seien Bücher aus dem Bereich der Erotik verkauft worden. Auf der Homepage desVerlags sind erotische und esoterische Angebote tatsächlich praktisch nicht vorhanden. Auch eine gezielte Suche danach läuft ins Leere.

Doch die Rechtfertigung der Verlagsleitung kam zu spät – der Papst hatte da schon genug. Es sei an der Zeit, die „Verbreitung von Material erotischen oder pornografischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken“, wetterte Benedikt vor knapp zwei Wochen. Dabei forderte er ein „vielfach“ entschiedeneres Vorgehen der deutschen Bischöfe.

Die Speerspitze dieses entschiedeneren Vorgehens ist der Kölner Kardinal Joachim Meisner. Er ist schon seit Jahren einer der größten Weltbild-Kritiker, sein Bistum hatte seine Anteile an dem Konzern 2008 abgegeben und kassiert seither auch kein Geld mehr aus den Geschäften. „Es geht nicht, dass wir in der Woche damit Geld verdienen, wogegen wir sonntags predigen. Das ist einfach skandalös“, sagte Meisner der „Welt am Sonntag“. An die Bischofskonferenz hat er deshalb eine schlichte Forderung zur Zukunft von Weltbild. „Wir müssen uns davon radikal trennen. Dafür gibt es für mich gar keine Alternative.“ Schon in den vergangenen Jahren gab es wiederholt Forderungen nach einem Verkauf. Allerdings wurde dies auch mit dem Argument zurückgewiesen, dass das Unternehmen schwer zu verkaufen sei. Nun hat aber der Papst den Kritikern im September mit seiner Freiburger Konzerthaus-Rede ein weiteres Argument gegeben: In der Rede forderte er die Kirche auf, sich von materiellen Lasten zu befreien.

Seitdem scheinen die Hemmungen gefallen, zur Not auch mit härtesten Bandagen gegen Weltbild vorzugehen. So wird neuerdings Pater Hans Langendörfer massiv attackiert. Langendörfer war Organisator der vergangenen Papstreise nach Deutschland und hält als Sekretär bei der Deutschen Bischofskonferenz viele Fäden in der Hand.

Zugleich sitzt er aber auch im Aufsichtsrat bei Weltbild – die Kritiker werfen ihm vor, er sei nicht gegen die Verbreitung erotischer Literatur vorgegangen. Langendörfer wird in Würzburg mitdiskutieren, wenn es um die Zukunft des Verlags geht. Er und die Bischöfe dürften großes Interesse haben, das Problem Weltbild schnellstmöglich zu lösen. AFP

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