Porsches neuer 911er mit Allrad : Man gewöhnt sich an alles
29.11.2012 09:11 UhrAllrad gehört bei Porsche vom ersten Tage an zur Firmenphilosophie. Schon 1900 zeigt Ferdinand Porsche auf der Weltausstellung in Paris ein Allradfahrzeug. 84 Jahre später gewinnt René Metge mit einem Porsche 911 die Rallye Paris–Dakar. Das ist quasi der erste 911 mit Allradantrieb und somit ein Vorläufer des Carrera 4. Dieses Modell ist seit 1989 fester Bestandteil des Programms und hat heute einen Anteil von 41 Prozent in der 911-Baureihe.
Nun wird die 911-Reihe in einer Weise aufgerüstet, die einer im besten Futter stehenden Karnickelfamilie alle Ehre machen würde.
Rechtzeitig vorm Winter starten die Allrad-Versionen. Da die vier angetriebenen Räder für beide Sechszylinder-Varianten und auch beide Aufbauten angeboten werden, ergeben sich aus einem neuen Aufschlag gleich vier neue 911-Versionen. Die Preisspanne reicht von 97 557 Euro für das Allrad-Coupé mit 350 PS starkem 3,4-Liter-Sechszylinderboxer bis zu 125 046 Euro für das 4S-Cabrio mit dem 400 PS starken 3,8-Liter-Sechszylinderboxer.
"Unporschig" oder das ideale Auto?
Wir fuhren das Topmodell Carrera 4S Cabrio mit 400 PS. Und das bewegt sich wie auf den sprichwörtlichen Schienen vorwärts, denn der Vierradantrieb Porsche Traction Management (PTM) mit der elektronisch gesteuerten Lamellenkupplung aus dem 911 Turbo regelt die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse in Sekundenbruchteilen. Ja, mehr noch. Das System denkt mit. Ein normaler Allradantrieb reagiert auf durchdrehende Räder. Der im 911 4S agiert, lange bevor der Fahrer es merkt – weil er dank seiner Sensoren und per Computer bereits im Vorfeld erkennt, wann die Räder durchdrehen könnten. Die Kraft wird in Bruchteilen von Sekunden immer dort an die Räder geleitet, wo sie gebraucht wird. Der Fahrer spürt davon nichts; staunt nur darüber, wie stabil sich dieses Auto auf allen unmöglichen Untergründen so schnell bewegen lässt, dass es nie bockt oder auskeilt.
Daran dürften sich einmal mehr die Geister scheiden. Für die gußeisenere Fraktion wird der Wagen zu unporschig sein; für die anderen ist er einfach das ideale Auto. Denn in diesem 911 4S Cabrio mit seinen dicken Hinterbacken und dem durchgehenden Leuchtenband hinten fährt viel Sicherheit mit. Selbst jene, die ihre Fahrschule gerade mit Ach und Krach bestanden haben, könnten mit diesem Auto schnell fahren, ohne sich und andere zu gefährden. Viel besser geht’s nicht. Ein Traum vom betreuten Fahren bis Tempo 282 – selbst offen.
Sonderwünsche gehen ins Geld
Der Winter kann also kommen – für alle, die es sich leisten können, Sonne, Wind und Schnee nahezu ungefährdet zu genießen. Der Basispreis fürs 4S-Cabrio ist rein theoretisch; mit den üblichen Extras kommt man gern auf 150 000 Euro. Immerhin: Für diesen Preis findet sich sogar fürs Gepäck Platz. Unter die vordere Haube passen zwei Trolleys übereinander und eine Tasche daneben.
Auch deshalb ist Porsche der profitabelste Autobauer der Welt. Neue Modelle und Sonderwünsche gehen bei dieser Firma immer richtig ins Geld. So beträgt der Allradzuschlag beim Allrad-Carrera (Foto oben) gegenüber dem Normalmodell mit rund 7000 Euro gut das Dreifache gegenüber anderen Marken. Und weil das ständige Betätigen des Hebels der Siebengang-Handschaltung auf Dauer eher nervt als Spaß bereitet und überdies auch wenig Sinn macht bei dem drehmomentstarken Motor (440 Newtonmeter bei 5600 Touren), dürften viele gleich die famose Siebengang-Doppelkupplungsautomatik wählen. Und die kostet 3510 Euro. Oder wie wäre es mit einer Keramikbremsanlage für schlappe 8508 Euro? Wem die 400 PS beim Carrera 4S noch immer nicht reichen, kann 30 zusätzliche Pferde ordern – für die Kleinigkeit von 13 804 Euro! Und beim ersten Cayenne Diesel S (unten) mit dem stärksten Selbstzünder seiner Klasse beträgt der Leistungszuschlag gegenüber dem bisherigen Modell gar 16 000 Euro! Bei Porsche gilt außerdem: Gekauft wie besehen, ohne Feilschen; mehr als sechs Prozent Rabatt sind nicht drin.
Gefragter Einsteiger(11 Bilder)






















