Power of Politics : "Ich will hier rein"

Beim Internetspiel "Power of Politics" können ganz normale Leute Bundeskanzler werden. Ein Internetzugang, Kenntnisse und der Wille zur Macht genügen dafür. Von Markus Mechnich

Macht ist sexy. Nicht erst seit Gerhard Schröder am Zaun des Kanzleramts rüttelte wissen wir, dass zu einem erfolgreichen Politiker auch ein großer Wille zur Macht gehört. Dies brachte den Politikwissenschaftler Peter Merschitz auf die Idee, ein Internet-Spiel zu entwerfen, bei dem die Spieler einer Politikerkarriere nacheifern sollen. Zusammen mit Programmierer Tim Preuster schuf er "Power of Politics".

Seitdem haben die beiden österreichischen Entwickler viel Arbeit und Herzblut in das Online-Spiel gesteckt. "Wir haben etwa ein Jahr Entwicklungszeit gebraucht. Ohne unsere berufliche Selbstständigkeit wäre das nicht gegangen.", sagt Merschitz. Bis zur Eröffnung verging ein Jahr, in dem mehr als 300 Tester halfen, die Kinderkrankheiten zu beheben. In den ersten vier Wochen nach der Onlinestellung in Österreich meldeten sich mehr als 10.000 Hobbypolitiker an und täglich kommen dort rund 500 neue Spieler hinzu. Seit dem Start in Deutschland gewinnt das Spiel auch hierzulande täglich 200 neue Anhänger.

Mit Unterstützung der Partei bis zur Bundesebene

Der Bundeskanzler in spe tritt auf Bezirksebene in die Politik ein und hat die Möglichkeit, über diverse Termine an seinem Wissen und an seiner öffentlichen Anerkennung in verschiedenen Themengebieten zu arbeiten. Zusätzlich muss er an seinem Ego feilen, Wahlkampfteams losschicken und Diskussionen mit politischen Konkurrenten bestreiten. All diese Faktoren spielen eine Rolle bei den Wahlen, die jeden Sonntag stattfinden. Ist der Einzug ins Parlament geschafft, wird über Koalitionen verhandelt und schließlich eine Regierung gebildet. Auf diese Weise geht es über die Kreisebene auf Landesebene und schließlich in die Bundespolitik. Aber wie in der echten Politik haben es Einzelgänger schwer. Nur mit einer starken Partei im Rücken wird die Karriere richtig an Fahrt gewinnen.

Die Medienthemen sind entscheidend für den Erfolg bei "Power of Politics". Hier fließen die realen Schlagzeilen von mehr als 140 deutschsprachigen Medien ein und erzeugen dadurch die Gewichtung der Themen. "Für uns war es ein besonderes Anliegen , dass sich die Spieler auch mit Themen beschäftigen, die sonst nicht im Mittelpunkt stehen", erklärt Merschitz seinen Ansatz. So können bei der sonntäglichen Wahl auch mal "Afrika" oder "Religion" entscheidend sein.

Sonntags gemeinsam die Wahlen verfolgen

Um das Spiel hat sich mittlerweile eine große Community gebildet. In zahlreichen Foren tauschen sich Hobbypolitiker aus. Auch gibt es zahlreiche reale Treffs, bei denen sonntags gemeinsam die Wahlen verfolgt werden.

An Wertschätzung mangelt es "Power of Politics" nicht. Neben dem starken Zulauf wurde das Spiel auch für den Deutschen Entwicklerpreis in der Kategorie "Bestes deutsches Browsergame" nominiert, der am 13. Dezember in Essen verliehen wurde. Dennoch ist es für Merschitz und Preuster immer noch ein Liebhaberprojekt. Die Einnahmen aus der Supporter-Funktion, bei der gegen einen kleinen Monatsbeitrag zusätzliche Features freigeschaltet werden können, decken gerade mal die Providerkosten. Eine Agentur soll ab November die Vermarktung einzelner Werbeflächen in die Hand nehmen, um das Projekt finanziell auf gesunde Beine zu stellen. (Von Markus Mechnich)

Im Internet: www.powerofpolitics.com ()

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