Welt : Präsident Estrada lehnt Lösegeldzahlung ab

Ex-Rebellenchef soll die Verhandlungen mit den Geiselnehmern führen

Im Geiseldrama auf den Philippinen hat Präsident Joseph Estrada einen früheren Rebellen-Chef mit Verhandlungen beauftragt, um die 21 Verschleppten, unter ihnen drei Deutsche, freizubekommen. Der ehemalige Rebellen-Anführer und jetzige Regierungschef einer halbautonomen Moslem-Region im Süden der Philippinen, Nur Misuari, flog am Donnerstag zu den Inseln der Sulu-See. Die Geiseln, darunter zehn Touristen, werden nach Erkenntnissen des phlippinischen Militärs auf der Insel Jolo festgehalten. Die Entführer-Bande besteht phillipinischen Angaben zufolge aus Moslem-Rebellen der Gruppe Abu Sayyaf und Kriminellen. Eine zunächst erwartete Freilassung von elf malaysischen Geiseln scheiterte nach Angaben Misuaris wegen des Defekts eines Bootes. Estrada will für die Entführten auf keinen Fall Lösegeld zahlen. Sein Sprecher erklärte, der Präsident habe die Zahlung der von den Geiselnehmern geforderten 2,4 Millionen Dollar abgelehnt, weil dies im Widerspruch zur Regierungspolitik stehe.

Misuari teilte mit, er solle mit den Entführern am Freitag direkt oder durch Unterhändler verhandeln. Am Donnerstag sei es zwei nach Jolo entsandten Unterhändlern gelungen, direkten Kontakt zu den Entführern herzustellen. Sie hätten berichtet, dass die Entführten wohlauf seien.

Die 21 Geiseln seien in zwei Gruppen aufgeteilt worden, berichtete die malaysische Zeitung "Sun". Die zehn Malaysier würden getrennt von den ausländischen Touristen festgehalten. Neben einer dreiköpfigen Familie aus Niedersachsen werden zwei Franzosen, zwei Finnen, zwei Südafrikaner, ein Libanese und eine Philippinerin festgehalten. Sie waren am Sonntag von Rebellen aus ihrem Hotel auf der malaysischen Insel Sipadan verschleppt worden. Die Insel Jolo liegt 350 Kilometer von Sipadan entfernt. Falls es separate Verhandlungen geben sollte, könnten die malaysischen Geiseln bald freikommen, sagte Misuari dem Blatt zufolge. Jolo gehört zum Regierungsbezirk Misuaris. Die Insel liegt in der Sulu-See rund 960 Kilometer südlich der Hauptstadt Manila.

Armeechef Jose Calimlim erklärte in einem Radiointerview, trotz der Bemühungen um ein friedliches Ende der Geiselnahme habe er Truppen in Bereitschaft versetzt. Aus Militärkreisen verlautete, in die Region um die Sulu-Inseln seien 800 bis 1000 Soldaten entsandt worden. Jolo gilt als Hochburg der Moslem-Rebellen der Gruppe Abu Sayyaf, die auf den mehrheitlich katholischen Philippinen einen Moslemstaat errichten wollen. Die Gruppe wird für die Geiselnahme verantwortlich gemacht.

Vertreter von 15 Staaten beraten derzeit in Tokio darüber, wie der Kampf gegen die Piraterie in Südostasien intensiviert werden kann. Vor allem in der viel befahrenen Seestraße von Malakka ist es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Überfällen auf Handelsschiffe gekommen. Malaysia sagte unterdessen zu, Sicherheitslücken bei der Überwachung seiner Grenzen zu schließen. Allerdings sei es schwierig, Rebellen und Kriminelle auf ihren Schnellbooten zwischen den Tausenden Inseln aufzuspüren, räumten Polizeivertreter in Semporna auf Borneo ein.

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