Präsidentenpaar : Mr. Cool und Lady Style

Michelle und Barack Obama – er zaubert den Menschen ein Lächeln auf die Lippen, sie könnte modische Maßstäbe setzen.

Matthias B. Krause[New York]
Obama
Während Barack Obama mit seiner Ausstrahlung die Welt verzaubert, wird seine Frau Michelle zum Modevorbild. -Foto: Getty Images

Die vergangene Mittwochsausgabe der „New York Times“ wird im Internet für mehr als 100 Dollar gehandelt. Auf der Titelseite nach Obamas Wahlsieg steht ein großformatiges Foto der neuen Bilderbuchfamilie. Barack Obama mit seinem Hollywood-Lachen, selbstbewusst, unerschütterlich, cool. Daneben die Töchter Sasha, 7, und Malia, 10, rechts Michelle Obama im auffallenden zweifarbigen Designerkleid. Eine Vorschau auf den Stil, der Amerika erwartet, wenn die neue Erste Familie im Januar in das Weiße Haus einzieht.

Mr. Cool und Lady Style. Umfragen besagen, dass 67 Prozent der Amerikaner „stolz und optimistisch“ sind nach Obamas Wahl. „Die Welt blickt wieder mit Bewunderung auf uns“, sagte der ehemalige Redenschreiber Jimmy Carters, Chris Matthews. Mit Bewunderung, weil es Amerika wieder einmal gelungen ist, sich neu zu erfinden. Barack Obama hat die Jungen wieder für Politik begeistert. Er scharte die von acht Jahren George W. Bush Enttäuschten um sich, er nahm den Verunsicherten die Angst davor, einen schwarzen, liberalen Politiker zu wählen. Wenn sie ihn sehen, können sie sich wieder gut fühlen. Weil er ein Beispiel dafür ist, dass eben doch alles möglich ist in ihrem Land.

Sein Strahlen, sein Gang, seine Stimme, sein gesammeltes, beherrschtes und doch emotionales Auftreten – all das wird für die Menschen auf der ganzen Welt zu einer riesigen Projektionsfläche. Er zaubert ihnen ein Lächeln auf die Lippen. Er hat sie motiviert und inspiriert, er gibt ihnen die Kraft, wieder an die Stärken in sich selbst zu glauben. Intellektuell zu sein, ist keine Schande, und sie denken nicht mehr daran, nach Kanada auszuwandern. Sie wollen mit ihm die Wirtschaftskrise anpacken, er ist ihr Vorbild. Bei CNN interviewt ein schwarzer Reporter die Kunden seines Stammfriseurs. Einer, so um die Dreißig, sagt: „Es gibt keine Entschuldigungen mehr. Von wegen, ich hatte keinen Vater und so. Obama hatte auch keinen Vater – und nun ist er Präsident.“ Schon meinen erste Stimmen, der neue Stil, der ins Weiße Haus einzieht, werde auf die gesamte Nation übergreifen. Pamela Fiori, Chefredakteurin der Zeitschrift „Town & Country“, sagt: „Ich glaube, wir werden uns alle besser kleiden, besser sprechen und uns sehr viel besser benehmen, als wir es in der Vergangenheit getan haben.“

Sollte das tatsächlich eintreten, wird Michelle Obama daran keinen geringen Anteil haben. Die Juristin, die ihren gut bezahlten Managerjob als Vizepräsidentin eines Krankenhauses in Chicago aufgab, um mit ihrem Mann in den Wahlkampf zu ziehen, fügt sich nicht in das Bild einer gewöhnlichen First Lady. Weder sitzt sie anhimmelnd wie Nancy Reagan da, noch mimt sie die Powerfrau mit eigenen politischen Ambitionen wie einst Hillary Clinton. Sie werde die Mom-in-Chief sein, sagt sie über sich, die Mutter, die darauf achtet, dass ihre Töchter ihre Hausaufgaben erledigen, ihr Gemüse essen und pünktlich zum Fußballspielen kommen.

Aber da ist natürlich eine grandiose Untertreibung. Abgesehen davon, dass sie die engste Vertraute ihres Mannes ist und er auf ihren Rat viel gibt, hat sie längst eigene Maßstäbe gesetzt. Zum Beispiel mit ihrer Garderobe. Mühelos kombiniert sie teure Designerkleidung mit Stangenware. Variiert mutige Accessoires wie Gürtel und große, falsche Perlen mit kräftigen Farbakzenten. Das gemusterte Etuikleid des New Yorker Designers Thakoon Panichgul, das sie auf dem Parteitag Ende August in Denver trug, brachte ihr viel Lob ein. Die Modegurus gaben ihr gute Noten, im vergangenen Jahr schaffte Michelle Obama es sogar auf die begehrte Liste der am besten angezogenen internationalen Persönlichkeiten, die die Zeitschrift „Vanity Fair“ seit 68 Jahren führt. Schon wird sie mit Jacqueline Kennedy verglichen, die als Präsidentengattin modische Maßstäbe setzte.

Sie hat ihren Mann auch dazu gebracht, bessere Anzüge zu tragen und die ungeliebten Krawatten öfter umzubinden. Allerdings macht der durchtrainierte, jungenhafte Barack Obama auch wahrlich eine gute Figur, wenn er in Turnschuhen und Baseballkappe vom morgendlichen Sport kommt. Oder wenn er mit einer schwarzen, ledernen Aktentasche in der Hand wie ein Uni-Professor zum täglichen Sicherheitsbriefing des FBI geht.

Sollte Obama doch mal zum falschen Outfit greifen, kann er sicher sein, von seiner Frau zu hören. „Ihn einfach nur anbeten, das kann ich nicht“, sagt sie. „Er ist nicht perfekt und ich will nicht, dass die Welt will, dass er perfekt ist. Wenn das der Anspruch ist, dann versuchen die Leute nicht, die schwierigen Dinge anzupacken. Aber wir wollen Führungspersönlichkeiten, die mutig sind und Sachen ausprobieren, auch wenn sie am Ende vielleicht doch nicht so toll sind. Denn sie könnten funktionieren und fantastisch sein.“ So gesehen wird sie die Kritik verschmerzen, die sie für ihre Kleiderwahl in der Siegesnacht einstecken musste. Im schwarz-roten Dress des New Yorker Designers Narciso Rodriguez habe sie sehr unvorteilhaft gewirkt, lästerten viele Zeitungen und Mode-Blogs. Die „Los Angles Times“ bezeichnete es gar als „Halloween-Verkleidung“. Die „Washington Post“ beschrieb, wie es dazu kam. Sie hatte das Kleid abändern lassen. Und sie hat eine ziemlich unvorteilhafte Strickjacke darübergezogen, was die ganze Silhouette veränderte und dem Kleid den ursprünglichen Effekt nahm.

Die Menschen werden es verzeihen.

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