Präsidiale Literatur : Obamas Kinderbuch: Das Tapsen ihrer Füße

Barack Obama hat ein Kinderbuch geschrieben. "Of Thee I Sing: A Letter to My Daughters" ("Von dir singe ich: Ein Brief an meine Töchter") stellt 13 Persönlichkeiten der amerikanischen Geschichte vor.

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Barack Obamas Buch.
Barack Obamas Buch.Foto: dpa

„Habe ich euch schon erzählt, was für unterschiedliche Menschen Amerika aufgebaut haben?“ In seinem dritten Buch ist Barack Obama nicht Politiker, sondern ein Geschichtenerzähler. Und ein Vater, der seinen Töchtern nicht oft genug versichern kann, wie lieb er sie hat. „Habe ich euch gesagt, wie wunderbar ihr seid? Dass das Tapsen eurer Füße, wenn ihr zu mir gelaufen kommt, meinen Tag mit Tanzrhythmen bereichert? Und euer Lachen den Raum mit Sonnenschein füllt?“

In dem 40-seitigen Bilderbuch für Kinder „Of Thee I Sing. A Letter to My Daughters“, das am Dienstag in den Handel kam, stellt Obama seine persönliche Auswahl von 13 „groundbreaking Americans“ vor: Menschen, die die Grundsteine der heutigen USA gelegt haben – weiblicher, minderheitenbewusster, künstlerischer als der in den Schulen gelehrte Kanon der Verfassungsväter. Sie sollen Kindern Vorbilder sein als kreative Entdecker, Mutmacher, Patrioten. Die Malerin Georgia O’Keefe „hilft uns, die große Schönheit in den kleinen Dingen zu sehen“. Albert Einstein veränderte das Verständnis von Energie und Licht. Jackie Robinson, der erste dunkelhäutige Baseballstar, „zeigt, wie man Furcht in Respekt verwandelt“. Ein indianischer Medizinmann, Sitting Bull, gehört als „Heiler“ dazu. Und Billie Holiday, die Obama in einsamen Studentennächten mit ihrem Jazzgesang bezaubert hatte.

Die blinde und taube Schriftstellerin Helen Keller „lehrt uns, einander zu sehen und zuzuhören“. Maya Lin, Bildhauerin chinesischer Abstammung, verschönt öffentliche Plätze mit Kunst. Jane Adams, Pionierin der Sozialarbeit, gab Hungrigen zu essen. Martin Luther King ist Vorbild für „bedingungsloses Mitgefühl“. Neil Armstrong betrat als erster Mensch den Mond. Cesar Chavez organisierte die zuvor machtlosen Landarbeiter – und ist, nebenbei, der wahre Urheber von „Si, se puede“, das als „Yes, we can!“ zum Wahlkampfruf wurde. Zwei Anleihen bei der traditionellen Liste der Väter Amerikas dürfen aber doch sein: Abraham Lincoln brachte „den versklavten Schwestern und Brüdern die Freiheit“. George Washington, unser erster Präsident, „macht uns stolz, Amerikaner zu sein“.

Loren Long, ein Star unter den Buchillustratoren in den USA, hat die Bilder dazu gemalt. Auf dem Titel laufen die Präsidententöchter Malia und Sasha mit Hund Bo über den Rasen. Es wird wohl sein dritter Bestseller. 500 000 Exemplare will der Verlag Random House in der ersten Auflage absetzen. Die Tantiemen fließen in ein Stipendienprogramm für Kinder gefallener Soldaten und berufsunfähiger Kriegsheimkehrer.

Den Buchvertrag hatte Obama Ende 2004 abgeschlossen, nachdem er auf dem Parteitag der Demokraten im Sommer eine viel beachtete Rede gehalten hatte, die ihm nationale Bekanntheit verschaffte, und im November zum Senator von Illinois gewählt worden war. Es ging um drei Titel: Erstens wurde „Dreams from My Father“ neu aufgelegt; die Autobiografie von 1995 ist eine Abrechnung mit dem Vater aus Afrika, der die Familie verlassen hatte, als Barack zwei Jahre alt war, und die Beschreibung eines schmerzensreichen Wegs zur eigenen Identität als halb schwarzer, halb weißer junger Mann in den USA; 1995 hatte das Buch wenig Beachtung gefunden. Zweitens versprach er das Kinderbuch. Drittens schrieb er „The Audacity of Hope“, ein Manifest seiner politischen Überzeugungen, das 2006 erschien und zur programmatischen Grundlage seiner Präsidentschaftskandidatur wurde.

Für das Paket erhielt er einen großzügigen Vorschuss, der ausreichte, um eine Villa im Universitätsviertel von Chicago für 1,65 Millionen Dollar zu kaufen. Damals war von 1,67 Millionen Dollar die Rede. Heute schreiben US-Medien, es seien 1,9 Millionen Dollar gewesen. Im Rückblick ist die Differenz unerheblich. Die weltweiten Tantiemen der beiden Bestseller, die in viele Sprachen übersetzt wurden, haben den Vorschuss längst weit überschritten und die Obamas zu Multimillionären gemacht.


Barack Obama: Of Thee I Sing. A Letter to My Daughters. Random House, New York 2010, 40 Seiten, 11,70 Euro.

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