Welt : Prag – Hauptstadt der Mafia im Osten?

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Prag „Die Mafia“, schrieben tschechische Zeitungen am Montag, stecke hinter dem Attentat in der Prager Innenstadt. Der Handgranatenanschlag auf einen Spielcasino-Besitzer, bei dem am Sonntag 18 Menschen verletzt wurden, kratzt am Image der unter ausländischen Besuchern so beliebten Stadt.

Tschechen sprechen schon von Prag als dem „Chicago des Ostens“. Das klingt übertrieben, aber die Bandenkriminalität ist an der Moldau tatsächlich fest verankert. „Anscheinend fühlen sich Verbrecher inzwischen so von ihren Organisationen gedeckt, dass sie in aller Öffentlichkeit morden“, sagte ein Mitarbeiter des tschechischen Geheimdienstes BIS.

Beim ersten größeren Fall dieser Art im August 1997 lieferten sich sieben Männer auf dem Prager Wenzelsplatz eine wilde Schießerei. Die Geschosse bohrten sich in Autos, trafen aber wie durch ein Wunder keine Menschen. Seitdem kam es in Tschechien immer wieder zu Auseinandersetzungen mit Merkmalen eines Revierkriegs rivalisierender Banden. Wo am Sonntag die Handgranate detonierte, war vor zwei Jahren bereits der Vater des Casino-Besitzers von Unbekannten ermordet worden. „Die organisierte Kriminalität hat in dieser Region ihre Vernetzung perfektioniert und Prag zu einem Schwerpunkt ihrer Aktivität gemacht“, betont der BIS-Mitarbeiter.

Touristen würden davon wenig spüren, stehen paradoxer Weise aber im Mittelpunkt des Geschehens: „Jedes Jahr spülen Millionen Ausländer Geld in die Kassen Prager Betriebe“, sagt Jan Eichler vom Prager Institut für Internationale Beziehungen. Deshalb hätten sich Banden auf Geldwäsche mit Hilfe von Casinos und Immobiliengeschäften und die Erpressung von Schutzgeld in Hotels und Restaurants spezialisiert. Als Sofortmaßnahme regen Experten die Installation weiterer Überwachungskameras an. Das Sicherheitsbedürfnis der Tschechen ist in letzter Zeit deutlich gewachsen. dpa

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