Welt : „Prestige“ war alt und verrostet

Roman Heflik

Angesichts des Tankeruntergangs vor der spanischen Küste fordern Experten härtere Kontrollen. „Es gibt tausend Tricks, mit denen man die Schiffsprüfungen oberflächlich verlaufen lassen kann“, sagt Kapitän Werner Huth. Huth ist Professor am Institut für Schiffsbetrieb der FH Hamburg und Vorsitzender des Verbandes der Kapitäne und Schiffsoffiziere.

„Oft drücken Klassifikationsgesellschaften ein Auge zu“, meint Dieter Benze, Leiter der Fachgruppe Schifffahrt der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Schuld sei der große Konkurrenzdruck unter den Prüfgesellschaften. Wenn beispielsweise ein Reeder zehn Schiffe überprüfen lasse, „dann lässt man auch mal ein unsicheres durch.“ Der Spuk werde sofort ein Ende haben, wenn man auch die Prüfer und Charterer mithaftbar mache. Bislang haften bei einem Unfall nur die Reeder. Da jedoch viele Schiffsgesellschaften in Wahrheit nur Briefkastenfirmen in Billigflaggen-Staaten sind, laufen Schadensersatzforderungen oft ins Leere. „Gerade bei Tankern sind die Besitzverhältnisse oft so verschlüsselt, dass keiner mehr weiß, wem die wirklich gehören“, erklärt Benze.

Peter Küster von Greenpeace Deutschland glaubt den Reederverbänden und Klassifikationsgesellschaften nicht, dass Inspektionen die Sicherheit von Schiffen gewährleisten können. „Die Inspekteure können nicht alles überprüfen. Es reicht schon, wenn an einer wichtigen Stelle eine lose Schraube übersehen wird“, so Küster, der selbst als technischer Schiffsoffizier 20 Jahre zur See gefahren ist. Richtig gefährlich werde es, wenn alte Schiffe wie die „Prestige“ mehrmals den Besitzer wechselten und von schlecht ausgebildeten Mannschaften gefahren würden. Dies sei bei der „Prestige“ der Fall gewesen.

Nach Einschätzung von Professor Hans Amann, dem Leiter der Arbeitsgruppe Schiffstechnik an der TU Berlin, war das Schiff alt und ungepflegt. „Einer etwas raueren See war diese Rostlaube nicht mehr gewachsen.“

Laut Dieter Benze liegt die Verlustrate von Schiffen über 15 Jahren bei einem Prozent und damit zehnmal höher als bei jüngeren Schiffen. Die Reeder würden mit alten, billigen Tankern bewusst ein höheres Risiko eingehen, so Benze.

Die Experten rechnen damit, dass die Internationale Meeresorganisation IMO früher als bisher geplant Einhüllen-Tanker aus dem Verkehr ziehen wird. Das bisherige Enddatum 2015 sei zu lang. Nach Auskunft von Dirk Lindenau, Chef der Kieler Lindenau-Werft, besitzen zurzeit nur 15 bis 20 Prozent der Tanker die geforderte Doppelhülle.

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