Pret-a-porter : Die jungen Wilden

Die Prêt-à-porter-Schauen in Paris neigen sich ihrem Ende entgegen. Die Großen unter den Designern wie Lagerfeld, Gaultier oder Westwood ließen ihre Models bereist über den Catwalk stolzieren. Nun sorgen die jungen Wilden der Schneidergilde noch mal für ordentlichen Wirbel.

ParisEr gilt als eine der großen Hoffnungen der Modeszene: Stuart Vevers, neuer Designer der spanischen Luxusmarke Loewe, präsentiert noch bis zum Ende der Pariser Prêt-à-porter-Schauen für Herbst/Winter 2008/9 seine Entwürfe im noblen achten Arrondissement. In nur zwei Monaten hat der Brite eine beachtliche kleine Kollektion zusammengestellt. Mehrlagige Abendkleider aus allerfeinster schwarzer Spitze, moderne, fedrig fallende Pelzjacken in Leuchtfarben, blassgelbe schmale Straußenlederröcke und elegante Mäntel mit maskulinem Touch. Und natürlich zahlreiche Taschen und Schuhe - schließlich gilt Loewe als einer der besten Lederhersteller der Welt.

Vevers kommt das entgegen - er war für das "Wunder" von Mulberry verantwortlich, verschuf mit seinen Kreationen dem allzu soliden englischen Taschen-und Modelabel zu Kultstatus bei jungen, hippen Leuten. Zuvor hatte der Nordengländer schon bei einigen anderen großen Namen gearbeitet, bei Calvin Klein, Bottega Veneta oder Givenchy. Er hat in New York gelebt, in Paris und in London - nun ist er nach Madrid gezogen, ein wenig weg vom Inner Circle der Modewelt. "Ich war natürlich sehr gespannt auf Madrid", sagte der sympathische 34-Jährige, der jungenhaften Charme mit klugem Realismus verbindet, am Freitag gegenüber der dpa. "Aber ich konnte noch nicht sehr viel ausgehen." Fast Tag und Nacht habe er gearbeitet für diese Entwürfe, die Loewe in die Zukunft führen sollen.

"Es gibt viele Anklänge an klassische Themen, einiges ist ein bisschen subversiv, und alles hat einen kleinen Twist", meinte Vevers. Die Taschen etwa erinnern an die traditionellen Loewe-Modelle, wirken jedoch leicht und lässig, in ungewohnten Farbkombinationen und mit knallbunten Hängeschlössern am Riemen. Schicke schmale Stiefel bestechen mit einem Absatz in Glühbirnenform. "Eine erwachsene Frau, sexy, stark und dennoch verspielt" - so beschreibt Vevers seine Zielgruppe.

Poppige Minikleidchen

Sexy und stark - so traten die Mannequins auch in Sonia Rykiels Schau am Freitag auf. Rykiel, deren Modehaus in diesem Jahr 40-jähriges Jubiläum feiert, baut ebenfalls auf den Wechsel. Ihre langjährige Mitarbeiterin Gabrielle Greiss ist nun Chefdesignerin. Mit viel Frische setzte sie den Rykiel-Stil in Szene. Poppige Minikleider, Streifenpullover und weiche Anzüge mit Shorts und kurzen gerundeten Jacken kombinierte sie zu modischen Schuhen mit Blockabsatz in Kontrastfarben. Und natürlich fehlten auch die für Rykiel typischen Fellmäntel in bunten Farben nicht.

Alexander McQueen zeigte am Abend dann eine ungemein fantasievolle, ausgearbeitete Kollektion. Er hatte sich von einer Reise nach Indien und Bildern aus der britischen Kolonialzeit inspirieren lassen. Heraus kamen kostbar bestickte schwarze Kleider mit Krinoline und mehrlagigen Ballerinaröcken, tolle Diademe und beeindruckender Kopfschmuck, rote Offiziersjacken mit Maharaja- Anklängen, ein prachtvolles gelbes Federkleid und Abendroben, die an Saris und Ballettkostüme zugleich erinnerten. (sgo/dpa)

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