Welt : Prinz der Nacht

Joachim und Alexandra von Dänemark wollen sich scheiden lassen. Fürs Volk steht der Schuldige fest

André Anwar[Stockholm]

Dänemark ist geschockt über die bevorstehende Scheidung zwischen Prinz Joachim und seiner im Lande überaus beliebten Ehefrau aus Hongkong, Prinzessin Alexandra – so geschockt, dass ernst zu nehmende Fernsehkommentatoren sogar von der „schlimmsten Nachricht des Jahres“ sprechen.

Kein Wunder, denn in keinem der skandinavischen Länder ist die Beziehung zwischen Volk und Königshaus so intim wie in Dänemark. Während der durchschnittliche Schwede ein distanziert freundschaftliches Verhältnis zu seinen Royals pflegt, fühlt sich der durchschnittliche Däne fast wie ein Mitglied der Königsfamilie. Zudem ist es der erste Scheidungsfall in der königlichen Familie seit 150 Jahren, und es heißt, dass Königin Margarete lange und sehr eindringlich versucht haben soll, einen solchen Schritt zu verhindern.

Vergangene Woche ließ der Hof die Katze aus dem Sack. „Nach vielen Überlegungen haben wir in gemeinsamer Übereinkunft beschlossen, uns scheiden zu lassen“, hieß es in einer Mitteilung, vorgelesen vom Hofmarschall. Die Gründe für die Scheidung seien „privat“, hieß es knapp. Dennoch hat das dänische Volk dank der aufklärenden Arbeit der Boulevardzeitungen eine relativ klare Vorstellungen von diesen „privaten Gründen“. Klar ist für die Dänen, wer der Sündenbock ist: Prinz Joachim, 35. Glaubt man der Boulevardpresse, so steht Dänemark geschlossen hinter Prinzessin Alexandra, 40, eingeschlossen die Königin und die Regierung.

Dänische Zeitungen schreiben, dass das Paar bereits seit längerem nichts mehr als die beiden Söhne Prinz Felix, 2 Jahre alt, und Prinz Nikolaj, 5, gemeinsam hat. Bereits vor Jahren sollen erste Risse erkennbar geworden sein. Während Kronprinz Frederik und seine Mary, die noch frisch verheiratet sind, fast immer zusammen und sehr verliebt auftreten, haben sich Prinz Joachim und Alexandra seit neun Jahren immer weiter auseinander gelebt. Ähnlich wie vor der Scheidung von Prinzessin Diana und Prinz Charles traten die beiden immer seltener zusammen in der Öffentlichkeit auf. Und vergleichbar mit deren Scheidung 1996 liegt die Sympathie des Volkes nun auf Seiten der Prinzessin. Laut dänischer Presse liegt das daran, dass Prinz Joachim seine Landsleute erzürnt, weil er sich lieber in wilden Partynächten in Kopenhagens Nachtklubs vergnügt, als sich um Frau und Kinder und seine amtlichen Pflichten zu kümmern.

Alexandra dagegen gilt als extrem pflichtbewusst. Boulevardzeitungen behaupten sogar, dass der Prinz aufgrund seines ungezügelten Nachtlebens alkoholabhängig geworden sei. Auch das sei ein ernstes Problem geworden. Ein wesentlicher Grund für die Scheidung soll die mit Nachtleben und Alkohol zusammenhängende chronische Untreue des Prinzen gewesen sein. Seine Frau soll den Prinzen sogar einmal mit jemandem auf frischer Tat ertappt haben. Der Prinz soll relativ häufig und unmissverständlich in Kopenhagener Diskotheken andere Frauen angebaggert haben. Zudem habe er, so heißt es in Kopenhagen, eine Vorliebe für homosexuelle Klubs.

Wegen der bevorstehenden Scheidung soll Königin Margarete Prinzessin Alexandra verboten haben, mit den beiden Söhnen das Land zu verlassen. Nach einem alten dänischen Gesetz von 1665 gehören die Kinder dem Königlichen Hof, unabhängig von den Wünschen der Mutter. Königin Margarete sei abhängig von der großen Popularität, die Alexandra in Dänemark genießt, heißt es in Berichten der dänischen Boulevardpresse. Um die Prinzessin, die als originelle, wertvolle und intelligente Bereicherung in der Königsfamilie angesehen wird, um jeden Preis im Land zu halten, hat man ihr ungewöhnliche Zugeständnisse gemacht. Staatschef Anders Fogh Rassmussen will nun so schnell wie möglich eine Gesetzesänderung durchsetzen, wonach die Hälfte von Prinz Joachims Apanage von rund 2,6 Millionen Kronen pro Jahr an die Prinzessin gehen soll. Alexandra darf nach der Scheidung sogar Prinzessin bleiben – mit der Anrede „Ihre Hoheit Prinzessin Alexandra“.

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