Welt : Prinz ohne Butler

Charles entlässt Michael Fawcett nach Geschenkskandal

Hendrik Bebber[London]

„Eine unangenehme Lektüre“, sagte Prinz Charles über den Report, der Schlamperei, Veruntreuungen und Rechtsbeugungen am Hofe des Kronprinzen untersuchte. Charles übernahm die „persönliche Verantwortung“ und akzeptierte den Rücktritt seines engsten Mitarbeiters Michael Fawcett, der ihm 15 Jahre lang gedient hatte.

Die Studie musste nach der öffentlichen Empörung über zwei geplatzte Prozesse gegen ehemalige Butler von Prinzessin Diana angefertigt werden. Beide waren angeklagt, dass sie aus dem Nachlass ihrer Herrin Hunderte von Gegenständen entwendet hatten. Doch die Verfahren, die die Steuerzahler mit drei Millionen Euro Ermittlungs- und Prozesskosten belasteten, mußten abgebrochen werden. Die Queen entlastete nämlich drei Wochen nach Prozessbeginn die Angeklagten. Ihr fiel dann ein, dass sie nach Dianas Tod von den Butlern über die Verwahrung persönlicher Erinnerungsstücke informiert worden war. Darunter war auch eine hochbrisante Tonbandaufzeichnung eines Gesprächs zwischen Diana und einem Kammerdiener. Dieser hatte der Prinzessin anvertraut, dass er mehrmals von einem engen Mitarbeiter von Prinz Charles missbraucht wurde. Der Thronfolger hätte davon gewusst aber eine strafrechtliche Verfolgung unterdrückt. Während des Prozesses wurde auch offenbar, dass Charles Bedienstete einen schwungvollen Handel mit Geschenken an den Thronfolger trieben. Nach dem Aufruhr in der Presse sahen sich Charles und die Queen genötigt, zum ersten Mal in der Geschichte des Königshauses eine „Betriebsprüfung“ anzuordnen. Mit ihr wurde Charles Privatsekretär Sir Michael Peat beauftragt. Nach viermonatiger Untersuchung legte er nun seinen 100seitigen Report vor. Dieser sprach Fawcett von dem Vorwurf frei, dass er die Dinge aus dem Besitz des Prinzen „zu seinem eigenen Vorteil“ verkauft hätte. Vielmehr seien die Regeln über den Umgang mit ungewollten Präsenten von Charles nicht streng genug definiert gewesen. Auch in der Vergewaltigungsaffäre seien keine Rechtsbeugungen vorgefallen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben