Welt : Prinzen-Sänger nach Prügelei geschockt und verunsichert

Tobias Künzel, Sänger der Leipziger Pop-Gruppe "Die Prinzen", fürchtet um seine Sicherheit. Hintergrund ist eine Schlägerei in einer Leipziger Theater-Kneipe im Oktober 1999. Nach der Aufführung von Künzels Musical "Elexier" war der Musiker von einem Leipziger verprügelt worden. Der mutmaßliche Täter muss sich seit Donnerstag vor dem Amtsgericht Leipzig wegen Körperverletzung (Az: 59 Ds 805 Js 56487/99) verantworten.

"Völlig unmotiviert" habe der Angeklagte Künzel mit der Faust ins Gesicht geschlagen, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Anschließend sei Prinzen-Bassist Mathias Dietrich (36) durch das Lokal gejagt worden und habe ebenfalls Schläge abgekommen. Der Prinzen-Sänger ist seitdem stark verunsichert. Nach dem Vorfall habe er einen Psychotherapeuten aufgesucht und Bodyguards engagiert. Der 37-Jährige und sein Band-Kollege treten im Prozess als Nebenkläger auf. "Es geht darum, ihre Rechte als Opfer wahrzunehmen", sagte ihr Anwalt Klaus Schurig am Freitag. Schadensersatzansprüche stünden nicht im Vordergrund. Künzel hatte nach seinen Aussagen durch den Faustschlag eine aufgeplatzte Lippe, Schwellungen und Blutergüsse erlitten. Dietrich berichtete von Prellungen an Nacken und Kopf.

Der 32-jährige Angeklagte schweigt bislang zu den Vorwürfen. Seine Verteidigerin hält eine Verwechslung für möglich. "Die Personenbeschreibungen sind widersprüchlich. Auch Herr Künzel hat meinen Mandanten nicht eindeutig identifiziert", sagte Gertraud Stiehler. Die Situation an jenem Abend sei unüberschaubar gewesen. "Es waren viele Leute da. Es wurde getrunken. Mein Mandant war betrunken", sagte sie und wies auf eine mögliche Schuldunfähigkeit des Angeklagten hin. Nebenkläger-Anwalt Schurig überzeugen diese Argumente nicht. Sein Mandant Dietrich habe den Angeklagten eindeutig erkannt. "Außerdem haben Zeugen von einem Gespräch des Angeklagten berichtet, bei dem es darum ging, Künzel anzugreifen", sagte Schurig. Ob dies als Racheakt an den "Prinzen" wegen ihres Engagements gegen Rechtsradikalismus zu werten sei, sei nicht geklärt. Nach Aussagen des Juristen will die Staatsanwaltschaft Leipzig bis kommenden Freitag diesen Aussagen nachgehen. Darüber hinaus seien weitere Zeugenvernehmungen geplant.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben