Welt : Prinzessin Leila Pahlavi: Tod in der Suite

Hendrik Bebber

"In den letzten Jahren war sie stark niedergeschlagen. Die Zeit konnte nie ihre Wunden heilen", sagte Kaiserin Farah über ihre Tochter. Die 31-jährige Prinzessin Leila Pahlavi starb in der Nacht zum Montag in ihrer Londoner Hotelsuite - warum?

Aus ihrem Pariser Exil gab Mutter Farah bekannt, dass sie, die jüngste Tochter des letzten Schahs, die Verbannung und das Schicksal ihres Vaters nie überwinden konnte: "Im Alter von neun Jahren musste sie ihr Land verlassen und verzehrte sich in Sehnsucht nach ihrer Heimat. Zudem litt sie unter dem Tode Seiner Majestät Mohammed Reza Schah Pahlavi, dem sie besonders nahe stand".

Über die Todesursache der Prinzessin rätselt auch Scotland Yard. Ein "Fremdverschulden" wird zwar ausgeschlossen. Dennoch hat die britische Polizei Ermittlungen aufgenommen - auch wenn die Obduktion bislang keine Hinweise auf verdächtige Umstände ergeben hat. Offen bleibt, ob Leila Pahlavi vielleicht an einer Überdosis von Drogen oder Medikamenten starb.

Leilas ältester Bruder Reza Pahlavi, der sich als legitimer Nachfolger seines Vaters auf dem Pfauenthron sieht, erklärte auf seiner Internetseite, dass sie "nach längerer Krankheit" verstorben sei. Aber um welches Leiden es sich dabei handelte, steht da nicht.

Leila Pahlavi lebte in Connecticut, besuchte jedoch häufig London, wo sie im Leonard Hotel nahe des Marble Arch eine Suite mietete. Sie war das jüngste der vier Kinder des Schahs aus seiner dritten Ehe mit Farah Diba. Die zwei vorhergehenden Ehen des Schahs wurden aus dynastischen Gründen geschieden, weil der Thronfolger ausblieb. Aus der zweiten Ehe mit der Tochter des ägyptischen Königs Faruk ging nur eine Tochter hervor.

1979 mussten Leila und die Familie den Iran verlassen, als nämlich Chomeini der Herrschaft des Schahs ein Ende bereitete. Der Schah, den US-Regierungen als Bollwerk gegen den Kommunismus und wichtigen Öllieferanten hofierten und unterstützten, wurde von Präsident Carter fallen gelassen. Über der Pahlavi-Familie schwebte das Todesurteil Chomeinis, und es begann eine lange Flucht nach Ägypten, Marokko, den Bahamas, Mexiko und Panama, die dem gestürzten Schah nur beschränkt Unterschlupf gewährten. Nach seiner schweren Krebserkrankung wurde ihm endlich eine Operation in New York gewährt.

Die iranische Revolutionsregierung unter Chomeini verlangte jedoch seine Auslieferung und unterstrich dies durch die Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran, wo das Personal als Geiseln festgehalten wurde. Die US-Regierung bewegte schließlich Panama zur Aufnahme des Schahs. Todkrank nahm dieser doch die Einladung des ägyptischen Präsidenten Sadat an und traf 1980 in Kairo ein. Dort erlag er am 27. Juli seinem Leiden.

Während sich Exkaiserin Farah in Paris niederließ, lebten und studierten ihre vier Kinder in den USA, wo sie vor der Rache der Ayatollahs sicherer schienen. 1979 nämlich war Prinz Shahrirar von einem iranischen Kommando in Paris ermordet worden. Er war des Sohn von Prinzessin Ashraf, der verhassten Zwillingsschwester des Schahs.

Und doch: Die Kaiserin Farah hat nie ihren Anspruch auf den Thron aufgegeben, den sie ihrem ältesten Sohn Reza Pahlavi II. übertrug. Dieser absolvierte in Texas bei der US-Luftwaffe seine Ausbildung als Kampfpilot von Düsenmaschinen und studierte an der Universität von Südkalifornien politische Wissenschaften. "Als rechtmäßiger Erbe des iranischen Throns" bezeichnet sich Pahlavi II. auf seiner Internetseite. Er schüre den Widerstand gegen die islamischen Fundamentalisten und warte auf den "Augenblick, bei der Befreiung meines Landes mitzuwirken".

Auch seine jetzt gestorbene Schwester hat darauf vielleicht gewartet. "Fast mein ganzes Leben habe ich im Ausland verbracht", sagte sie noch letzten September in einem Interview mit der spanischen Klatschzeitschrift "Hola". "Aber im Herzen bin ich immer Iranerin geblieben, als ob ich mein Land nie verlassen hätte".

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