"Problembär" : Bruno in Tirol gesichtet

Es gibt ein neues Lebenszeichen vom "Problembären" Bruno. Das Tier tauchte erneut in Tirol auf und rannte "mit großem Lärm" an einem Wohnhaus vorbei. Nicht weiterverfolgt wird die Idee, Bruno mit Hilfe einer Bärin einzufangen.

München - Die Idee mit der Liebesfalle für Braunbär Bruno kommt von einem Tiertrainer aus Hannover: Er schlägt vor, das seit Wochen im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet umherstreifende Raubtier mit Hilfe einer brünstigen Bärendame anzulocken. Doch das bayerische Umweltministerium erteilte dem Vorschlag des Tierexperten am Mittwoch eine Absage. Die Idee sei zwar "gut gemeint", Bruno sei aber viel zu jung für solche Tricks. Bären erreichten schließlich erst ab einem Alter von etwa fünf Jahren ihre Geschlechtsreife, Bruno sei allerdings erst zwei Jahre alt. "Unser Bär ist scharf auf Schafe, aber nicht auf Bärinnen", resümierte Ministeriumssprecher Roland Eichhorn.

Trotz Brunos jugendlichem Alter hätten die eigens eingesetzten finnischen Bärenjäger bereits den Versuch gestartet, das Raubtier mit hormonellen Lockstoffen einzufangen, berichtete Eichhorn. Die Finnen hätten das Aphrodisiakum hochkonzentriert in Dosen dabei. Doch der Bär habe wie erwartet keine Anstalten gemacht, sich von den Düften anlocken zu lassen.

Unterdessen wurde Bruno in der Nacht zum Mittwoch erneut in Tirol in den Bezirken Schwaz und Kufstein gesichtet. Angaben des bayerischen Umweltministeriums zufolge wurde östlich des Rofangebirges ein geplünderter Hühnerstall gemeldet. Das finnische Bärenfangteam machte sich am Mittwoch dort auf die Spurensuche.

In der Nacht zum Mittwoch wurde das Raubtier zudem bei Maurach am südlichen Ende des Achensees gesichtet. Die Spürhunde konnten dort allerdings keine Fährte aufnehmen. Angaben der Polizei Innsbruck zufolge hatte ein Bewohner des Ortes gemeldet, er habe das Raubtier an seinem Haus in Richtung Pertisau vorbeilaufen sehen. Als das Tier sein Anwesen passiert habe, sei im Garten das Licht durch einen Bewegungsmelder angegangen.

Bär wird "immer unverfrorener"

Noch am Montagmorgen war Bruno von einem Jäger in Bayern am Schildenstein südlich von Wildbad Kreuth gesehen worden. In dem oberbayerischen Ort hatte der Bär zuvor zwei Schafe gerissen und drei verletzt, zwei Bienenstöcke beschädigt und einen Gartenzaun am Ortsrand zerstört. Nach den Worten von Umweltministeriumssprecher Eichhorn wird der Bär "immer unverfrorener" und stellt mittlerweile ein "sehr, sehr hohes Unfallrisiko" dar.

Inzwischen hat sich in die Bärenjagd auch schon der finnische Botschafter in Berlin, René Nyberg, eingeschaltet. Er macht das sommerliche Klima für den Misserfolg bei der Suche nach Bruno verantwortlich. "Tut mir furchtbar leid, dass der Bruno so flink ist", beteuerte Nyberg. Aber die Witterungsverhältnisse seien in Bayern natürlich anders. Die "armen, armen Bärenhunde" litten einfach unter der Hitze.

Kommen noch mehr Bären?

Während die Jagd auf Bruno auf Hochtouren läuft, verkündete die Umweltstiftung WWF in Frankfurt am Main, dass Braunbär Bruno schon bald Artgenossen folgen könnten. Bereits im kommenden Jahr müsse mit der Ankunft weiterer Bären in Bayern gerechnet werden, sagte WWF-Artenschutzexperte Roland Melisch. Seinen Angaben zufolge wurden im vergangenen Jahr im Trentino fünf junge Bären geboren. Aus dieser italienischen Region stammt auch Bruno. Der WWF erwartet, dass die neuen Jungtiere Richtung Norden und damit Richtung Deutschland ziehen werden, wenn sie ausgewachsen sind. "Das wäre der klassische Bärenweg", erläuterte Melisch. (tso/ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar