"Problembär" : Jagdpächter begegnet dem Braunbären

Der Braunbär im deutsch-österreichischen Grenzgebiet ist nach Augenzeugenberichten in den Tiroler Bezirk Kufstein weitergezogen. Zuvor hatten die Bärensucher die Spuren des Tieres für mehrere Tage verloren.

Kufstein/München - In einem Wald bei Thiersee lief ein riesiges Raubtier - aller Wahrscheinlichkeit nach der Gesuchte Braunbär- nun einem Jagdpächter über den Weg. «Er hat mich angebrüllt», berichtete Jagdpächter Michael Bischofer am Donnerstag im ORF-Radio Tirol. «Zuerst bin ich weggelaufen», sagte Bischofer. «Dann bin ich noch mal zurück, und dann ist er neben mir vorbeigegangen. Er war etwa 50 Meter von mir entfernt.» Der Bär sei dann im Wald verschwunden.

Bischofer räumte ein, dass er bei der Begegnung Angst gehabt habe. «Ich wollte noch ein Foto machen, aber ich war zu aufgeregt.» Die Sprecherin der internationalen Naturstiftung WWF, Susanne Grof, sagte der dpa, bei der Begegnung des Jagdpächters mit dem Tier handele es sich um eine «typische Bärensichtung». Im Bezirk Kufstein darf nach Angaben des Tiroler Landesrats Anton Steixner - anderes als in Bayern - nicht auf den Bären geschossen werden. Die Gefahr durch das Tier sei geringer geworden, weil es nicht in der Nähe von Dörfern oder Höfen gesehen worden sei.

Zuvor war der Bär als gefährlich eingestuft worden und in Bayern sowie im Tiroler Bezirk Reutte zum Abschuss freigegeben worden, nachdem er in Bayern in der Nähe von Siedlungen mehrere Schafe gerissen hatte und zu Wochenanfang in einen Hühnerstall eingedrungen war. Sollte er lebend gefangen werden, will Bayern ihn im Wildpark Poing bei München in einem Gehege unterbringen.

Deutsche und österreichische Experten von der Umweltorganisation WWF seien umgehend nach Kufstein gefahren, berichtete Sprecher Roland Eichhorn vom bayerischen Umweltministerium in München. Sie wollten dort versuchen, den zotteligen Streuner mit einer Röhrenfalle einzufangen, um dessen möglichen Abschuss in anderen Regionen zu verhindern.

"Wir wollen den Bären lebend"

Man könne bisher aber nicht ganz ausschließen, dass das Tier bei Kufstein möglicherweise ein anderer Bär sei, erklärte der bayerische Bärenbeauftragte Manfred Wölfl. Falls man dort Haare oder Kot des Tieres finde, könne eine genetische Analyse jedoch Klarheit bringen.

«Wir wollen den Bären lebend», bekräftigte Jörn Ehlers von WWF Deutschland. Die Bemühungen, das Tier zu fangen, würden deshalb intensiviert. Dazu wurde bei Grizzly-Experten in den USA eine weitere Bärenfalle bestellt. Die Ladung aus den USA werde in der kommenden Woche in Europa ankommen.

Die WWF-Spezialisten erwägen auch den Einsatz von Fangschlingen. Auch damit sei es möglich, das Tier einzufangen. Für diese sehr schwierige Methode sei allerdings sowohl in Bayern als auch in Österreich eine Ausnahmegenehmigung erforderlich. Diese liege bislang nicht vor. Zudem müsse sichergestellt sein, dass die Schlingen häufig abgesucht werden, damit sich gefangene Tiere nicht unnötig quälten. Eichhorn nannte die Suche sehr schwierig. «Das ist wie die Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen», sagte der Ministeriumssprecher. «Die Alpen sind groß.»

Aufspüren mit Hunden

Der Münchner Tierparkdirektor Henning Wiesner schlug unterdessen vor, den Bären mit Hunden aufzuspüren. Dann könne man das Tier mit einer Narkosespritze aus einem Blasrohr betäuben und fangen. Eine Spritze aus dem Blasrohr sei für das Tier weniger gefährlich als ein Schuss aus einem Narkosegewehr.

Der Versicherungskonzern Gothaer bot zudem an, Bauern, Jagdpächtern und Imkern aus Bayern Wild- oder Nutztiere zu ersetzen, die der Bär gerissen habe. Auch ein britischer Versicherungsunternehmer will Schäden durch den Bären in Höhe bis zu 1,5 Millionen Euro bezahlen. «Wir wollen verhindern, dass der Bär abgeschossen wird», sagte Simon Burgess, Geschäftsführer von British Insurance. (tso/dpa)

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