Proteste gegen Hundefleischfestival in China : Lieben statt essen

Vor dem jährlichen Hundefleischfestival in Yulin sind in China die Proteste dagegen so groß wie nie. Immer mehr Chinesen empfinden das Festival als grausam – und halten sich Hunde nur als Haustiere

Ning Wang
Gerettet: Zwei chinesische Tierschützer halten stolz ihre Hunde in die Kamera. Ein Tier (rechts) haben sie einem Hundefleischhändler abgenommen, das andere fanden sie auf der Straße.
Gerettet: Zwei chinesische Tierschützer halten stolz ihre Hunde in die Kamera. Ein Tier (rechts) haben sie einem...Foto: Reuters

Als zuletzt an der dritten Ringstraße in Peking ein Hund vermisst wurde, war die Aufregung in der Nachbarschaft groß. An jedem zweiten Baum hing ein Zettel mit dem Foto des entlaufenen Weimaraners: grau, groß, sanftmütiger Blick. Die Nachbarn waren auch deshalb so besorgt, weil in Peking seit Anfang Mai die „Hundefangsaison“ begonnen hat. Wegen der Tollwutgefahr muss jedes Jahr im Juni jeder Hund in Chinas Großstädten registriert werden, sonst kann die Polizei sie einfangen. Doch es gibt in dieser Zeit noch eine weitere Bedrohung für Chinas Hunde.

Zur Sommersonnenwende am 21.Juni startet jährlich in der südchinesischen Stadt Yulin das Hundefleischfestival. Dabei werden tausende Hunde vor Ort brutal geschlachtet und als Delikatesse angeboten. Der Verzehr von Hundefleisch vor allem in der Hitze der Sommermonate soll wohltuend für den Körper sein und bringe zudem Glück, heißt es gelegentlich in China. Doch immer mehr Chinesen wenden sich gegen den Verzehr von Hundefleisch. Laut einer von der Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlichten Umfrage haben knapp 70 Prozent der Befragten noch nie Hundefleisch gegessen. „Es ist peinlich für uns, dass die Welt fälschlicherweise glaubt, dass das brutale und grausame Yulin-Festival Teil der chinesischen Kultur ist“, sagt Qin Xiaona, Direktorin der Tierschutzgruppe Cawa, „doch das ist es nicht“.

Die Gegner des Festivals weisen zum einen auf die große Tollwutgefahr hin. Viele der in Yulin angebotenen Hunde kommen nicht aus Zuchtbetrieben, die es auch gibt, sondern sind Straßenhunde oder ihren Besitzern entführt worden. Doch es sind vor allem die barbarischen Bilder, die nicht nur bei Tierschützern, sondern auch in der chinesischen Bevölkerung den Widerstand gegen das Festival schüren. Bilder von Hunden, die in viel zu kleinen Käfigen zusammengesperrt sind, sind dabei noch das Harmloseste. Viele der Tiere werden auf bestialische Weise geschlachtet oder gleich lebend in den Kochtopf geworfen. Adrenalin soll angeblich das Fleisch der Tiere schmackhafter machen.

Tierschützer sammelten elf Millionen Unterschriften gegen das Hundefleischfestival

Schon Wochen vor dem diesjährigen Hundefleischfestival haben Tierschützer weltweit elf Millionen Unterschriften dagegen eingesammelt. Aktivist Peter Li vom internationalen Tierschutzverein Humane Society International (HSI) sieht das Fest „als Schande für eine zivile Gesellschaft“. Er rettet seit Tagen nicht nur Tiere aus den Fängen der Schleuser, sondern will vor allem ein neues Tierschutzgesetz, damit in Peking der Tierquälerei endlich ein Ende gesetzt wird. Immerhin zeigt sich die Lokalregierung von Yulin inzwischen etwas problembewusster. Allerdings fürchtet sich die Polizei in der Stadt vor allem vor Protesten der Tierschützer. Und diese werden immer mehr.

Die Tierliebe der Chinesen wächst, Hunde sind beliebte Haustiere, in den Großstädten leben bereits mehr als 27 Millionen. Und das sind nur die offiziellen Zahlen, die Dunkelziffer ist mindestens doppelt so hoch. Die meisten Hundebesitzer halten ihre Tiere nämlich nicht legal. Denn obwohl die chinesische Regierung die Ein-Kind-Politik aufgegeben hat und jede Familie zwei Kinder bekommen darf, gilt für Hundebesitzer wegen der Tollwutgefahr weiterhin die Ein-Hund-Politik. Neben einem Hundeimpfbuch kostet die Anmeldung eines Hundes nicht nur Nerven, sondern auch rund 135 Euro.

„Ich zahle im örtlichen Tierkrankenhaus schon 150 Yuan (20 Euro) für die Tollwut-Impfung“, sagt der Hundehalter He Jian verärgert. Wie viele Pekinger hält auch er die Registrierungsgebühren für reine Willkür der Behörden. Nach dem Prinzip, dass man schlafende Hunde nicht wecken soll, registrieren viele ihre Hunde nicht. Stattdessen gehen sie mit ihren Tieren lieber im Morgengrauen oder spätnachts Gassi. Ein Pekinger Hundehalter mit Nachnamen Wu geht mit seinen beiden älteren Mischlingsdamen GuaiGuai und PangPang vorsichtshalber nur innerhalb der Mauern seines Wohngeländes spazieren, dort muss er sie auch nicht an der Leine führen. So muss er sich keine Sorgen machen, von der Polizei angesprochen zu werden. Auf dem Gelände könnte er übrigens demnächst auch den vermissten Weimaraner treffen. Der Hund wurde wieder gefunden, er ist Kochtöpfen und Polizeistationen glücklich entkommen.

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