Prozess : Angeklagte gestehen Foltermord an Mithäftling

Es war ein unfassbares Martyrium: Drei Strafgefangene sollen einen Mithäftling in der Justizvollzugsanstalt Siegburg gequält, vergewaltigt und schließlich aufgehängt haben. Der Prozess begann heute mit Geständnissen.

BonnIm Prozess um den Foltertod eines 20-jährigen Häftlings in der Siegburger Jugendstrafanstalt haben die drei Angeklagten umfassende Geständnisse abgelegt. Stockend und bisweilen mit längeren Pausen schilderte der jüngste Angeklagte Danny K. (17) die Gewaltorgie, die am 11. November 2006 zum qualvollen Tod des 20-jährigen Mithäftlings Hermann H. durch Erhängen führte. Der 17-Jährige wurde zum Prozessauftakt am Bonner Landgericht als erster Angeklagter vernommen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm sowie den beiden Mitangeklagten Pascal I. (20) und Ralf A. (21) vor, auf grausame Weise, aus Mordlust und zur Verdeckung einer Straftat ihren Mithäftling getötet zu haben.

"Am Anfang war das bloß so zum Spaß"

Eigentlich habe alles aus einer Laune heraus angefangen und sei nicht ernst gemeint gewesen, sagte der 17-Jährige. Das Martyrium begann nach einem gemeinsamen Kartenspiel: Pascal I. wickelte den Aussagen zufolge ein Stück Seife in ein Handtuch und schlug damit auf die Füße von Hermann H. ein. Die anderen taten es ihm nach. "Am Anfang war das bloß so zum Spaß", sagte Danny K.

Dann wurde Hermann H. aufgefordert, eine Brühe aus Wasser, Salz und Chilischoten zu trinken. Als ihm anschließend eine Tube Zahnpasta in den Mund gespritzt wurde, musste sich das Opfer übergeben und wurde anschließend gezwungen, von dem Erbrochenen zu essen. Es folgten laut Geständnis ein sexueller Missbrauch und eine Vergewaltigung mit einem Handfegerstiel.

Es sollte wie Selbstmord aussehen

Dann umwickelten sich die Täter ihre Hände mit Handtüchern, damit ihre Schläge keine sichtbaren Spuren am Opfer hinterließen. "Er sah nicht gut aus", schilderte der Angeklagte. "Er hatte ein geschwollenes Gesicht." Die drei verfassten nach Darstellung des 17-Jährigen eine Liste mit Gründen, was für und gegen den Tod des Mithäftlings sprach. Schließlich entschieden sie sich, ihn aufzuhängen, damit es wie Selbstmord aussah.

Vier Versuche, den 20-Jährigen mit Hilfe von Kabeln an der Tür zur Toilette aufzuhängen, schlugen fehl, weil die Kabel rissen. Dann wurde eine Schlinge aus Bettlakenstreifen geknüpft. Als das Opfer ohnmächtig wurde, weckten die Mithäftlinge den Mann noch einmal mit Schlägen. Dann sei der Mann erneut aufgehängt worden. Den Tod ihres Zellengenossen hätten sie erst am nächsten Morgen gemeldet.

Alle machten weiter - aus Gruppenzwang

"Keiner von uns hat geglaubt, dass es überhaupt so weit kommen wird", antwortete Pascal I. auf Fragen des Vorsitzenden Richters Volker Kunkel. Mehrmals habe immer wieder einer von ihnen gesagt: "Lass uns damit aufhören." Aber das sei wie ein Gruppenzwang gewesen, jeder habe nur wegen der anderen beiden weitergemacht. Erst nach dem Tod des Mithäftlings - als sie in ihren Betten gelegen hätten - habe er über das Geschehene nachgedacht.

34 Zeugen und je zwei Sachverständige und Vertreter der Jugendgerichtshilfe sind bei dem Prozess dabei. Als Nebenkläger treten die Mutter, der Vater, die Schwester und der Bruder des Getöteten auf. (mit dpa)

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