Prozess-Auftakt : Mutter von drei toten Babys drohen 15 Jahre Haft

Zwischen 2002 und 2005 wurden im sächsischen Plauen die Leichen von drei Babys gefunden, die Todesursache blieb bislang ungeklärt. Seit heute muss sich die Mutter der Mädchen wegen dreifachen Totschlags vor Gericht verantworten – doch die Angeklagte schweigt.

Plauen Foto: ddp
Auf diesem Balkon in Plauen wurde die dritte Babyleiche gefunden. -Foto: ddp

Zwickau Neun Monate nach dem Fund dreier Babyleichen im sächsischen Plauen hat am Dienstag der Prozess gegen die Mutter der Kinder begonnen. Die heute 29-Jährige ist wegen Totschlags angeklagt. Sie machte zum Prozessbeginn von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. "Die Staatsanwaltschaft ist am Zug, den Tatverdacht zu belegen", sagte Verteidiger Dirk Simon während einer Verhandlungspause. Wegen des fortgeschrittenen Verwesungszustandes konnte bei keinem der Babys die Todesursache ermittelt werden.

Die toten Mädchen, geboren im Februar 2002, im Januar 2004 und im September 2005, waren Ende 2007 innerhalb von acht Tagen in verschiedenen Wohnungen in Plauen gefunden worden. Der erste Leichnam lag in einem Koffer im Keller bei der Großmutter, der zweite in einer Tiefkühltruhe einer früheren Wohnung der Angeklagten, der dritte in einem Blumenkübel auf dem Balkon.

Staatsanwalt: Natürlicher Tod unwahrscheinlich

Oberstaatsanwalt Holger Illing räumte ein, dass die Beweislage schwierig sei. Er stützt die Anklage vor allem darauf, dass es keine Belege für eine natürliche Todesursache gebe. "Drei tote Kinder, alle versteckt, da ist es mehr als unwahrscheinlich, dass es einen natürlichen Tod gegeben hat", sagte er. Nach Ansicht der Ermittler hat die Frau die Kinder zumindest durch Unterlassen der notwendigen Versorgung getötet.

Für die Vorbereitung der Anklage hatte sich die Staatsanwaltschaft auch Akten aus dem Prozess gegen die Mutter der neun toten Babys von Brieskow-Finkenheerd in Brandenburg vorlegen lassen. "Die Parallelen sind frappierend", sagte Illing. Die Mutter soll zwischen 1992 und 1998 acht ihrer 13 Kinder nach der Geburt getötet und anschließend in Blumenkübeln vergraben haben. Die Todesursache wurde auch in diesem Fall nicht klar geklärt. Dennoch wurde die Frau zu 15 Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt.

Geburt nicht gemeldet

Die Mutter aus Plauen hatte im Ermittlungsverfahren bestritten, die Kinder getötet zu haben. Sie gab an, dass die Kinder "plötzlich" tot waren. Die Verteidigung zweifelte am Dienstag zudem an, ob die Mädchen überhaupt lebensfähig waren, wie aus einem rechtsmedizinischen Gutachten hervorgeht. Vor dem Prozess war die Verteidigung mehrfach damit gescheitert, den Haftbefehl gegen die Frau aufzuheben. Sie sitzt seit Anfang Dezember in Untersuchungshaft.

Der Fall war im vergangenen Jahr ins Rollen gekommen, als die älteste Tochter Celine im November nicht wie vorgeschrieben zur Vorschuluntersuchung kam. Sie war nie offiziell bei einer Behörde angemeldet worden. Im Plauener Vogtlandklinikum, wo Celine zur Welt kam, ist es aber üblich, dass alle Geburten dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Die Mutter führte die Polizei schließlich zur ersten Leiche. Eine Woche später entdeckten die Beamten die toten Kinder Lisa und Marie. Diese hatte die Frau nach eigenen Angaben allein zu Hause geboren. (küs/dpa)

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