Prozess : Ernst August will reden

Zeugen entlasten Ernst August Prinz von Hannover offenbar im Prozess um eine Schlägerei. Das Opfer soll Verletzungen vorgetäuscht haben.

Vivien-Marie Drews[Hannover]
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Ernst August.Foto: dpa

Neun Jahre nach der Attacke von Ernst August Prinz von Hannover auf einen deutschen Hotelier in Kenia könnten neue Zeugenaussagen den Prinzen entlasten. Wenige Tage vor der Neuauflage des Verfahrens wegen gefährlicher Körperverletzung berichtet der „Spiegel“, das Opfer Josef Brunlehner habe seine schweren Verletzungen möglicherweise nur vorgetäuscht. Das Magazin beruft sich auf Aussagen mehrerer Zeugen. Vom 15. Juni an soll der Fall vor dem Landgericht Hildesheim erneut verhandelt werden. 2004 war der Prinz vom Landgericht Hannover zu einer Geldstrafe von 445 000 Euro verurteilt worden. Die Vorwürfe gegen den Prinzen wiegen schwer. Er soll den deutschen Hotelier Brunlehner im Januar 2000 mit einem Schlagring angegriffen haben. So schildert es das Opfer. Der Prinz hingegen behauptet, den Gastronomen lediglich geohrfeigt zu haben. Grund für die Attacke war laute Musik in Brunlehners Stranddisko auf der kenianischen Insel Mandu. Der Prinz soll sich dadurch auf seinem Anwesen auf der Nachbarinsel Lamu gestört gefühlt haben.

Nach „Spiegel“-Angaben werfen zwei kenianische Ärzte Brunlehner nun vor, seine schweren Verletzungen simuliert zu haben. Die Ärzte hatten den Deutschen nach dem Angriff behandelt. Hans Wolfgang Euler, Anwalt des Prinzen, überraschen diese Aussagen nicht. „Ich bin immer der Meinung gewesen, dass der Sachverhalt erfunden ist“, sagte Euler dem Tagesspiegel. Er selbst habe bei Recherchen entsprechende Zeugenaussagen zusammengetragen. „Herr Brunlehner hat ein Schauspiel abgeliefert“, sagte der Anwalt. So hätten zwei Zeugen, die Brunlehner kurz nach dem Angriff begegneten, angegeben, dass der Mann ihnen „völlig unverletzt“ erschien. Insgesamt will Euler dem Gericht in Hildesheim 20 Zeugen benennen. Dem Bericht im „Spiegel“ zufolge bestreitet Brunlehner, simuliert zu haben.

Der Prinz war in der Sache bereits im Jahr 2004 verurteilt worden. Sein Anwalt hatte damals ein Geständnis formuliert, in dem er nicht ausschloss, dass der Prinz bei der Attacke einen Schlagring benutzte. Dafür hatte Ernst August seinen Anwalt später verklagt. Im vergangenen Jahr hörte das Gericht Prinzessin Caroline an. Die Frau des Prinzen hatte das Geschehen beobachtet. Daraufhin beschloss die Strafkammer in Hildesheim im November 2008 die Wiederaufnahme des Prozesses. Euler kündigte an, dass sein Mandant vor Gericht erscheinen werde. „Es wird eine Erklärung geben“, sagte der Anwalt.

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