Prozess gegen Cristina : „Prinzessin Ahnungslos“ in Spanien vor Gericht

Heute beginnt Spaniens Jahrhundertprozess: Prinzessin Cristina, die Schwester des Königs, muss sich wegen Korruption und Betrug vor Gericht verantworten.

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Das Verfahren gegen Prinzessin Cristina und ihren Mann Iñaki Urdangarin findet auf Mallorca statt.
Das Verfahren gegen Prinzessin Cristina und ihren Mann Iñaki Urdangarin findet auf Mallorca statt.Foto: dpa

Es ist der Tag, den Spaniens Königshaus gefürchtet hat: Am Montag muss Prinzessin Cristina, die Schwester des Königs Felipe, auf der Anklagebank Platz nehmen. Es wird ein Bild sein, das für die weit verbreitete Selbstbereicherung vieler Amtsträger im Land steht. Die Ermittler werfen der 50-jährigen Prinzessin vor, zusammen mit ihrem drei Jahre jüngeren Ehemann Iñaki Urdangarin öffentliche Gelder ergaunert und Steuern hinterzogen zu haben.

Mehr als 600 Journalisten aus aller Welt haben sich angemeldet

Das Interesse an diesem Jahrhundertprozess, wie ihn spanische Medien tauften, ist so groß, dass die Strafkammer des Landgerichts von Palma de Mallorca umziehen wird: In einen Veranstaltungssaal im Industriegebiet der mallorquinischen Inselhauptstadt. Übrigens gegenüber von Mallorcas Gefängnis, in dem die Verurteilten dann gleich ihre Haftstrafe antreten könnten. Mehr als 600 Journalisten aus aller Welt haben sich angemeldet.

Es ist das erste Mal, dass sich ein Mitglied der spanischen Königsfamilie vor Gericht verantworten muss. Und es ist der Höhepunkt von fünfjährigen Ermittlungen, die den Ruf des Königshauses schwer geschädigt haben. Als Konsequenz räumte der 47 Jahre alte König Felipe, der im Sommer 2014 seinem Vater Juan Carlos auf den Thron folgte, am Hof auf und versprach eine „erneuerte Monarchie“: Er distanzierte sich von seiner Schwester und entzog ihr den Adelstitel „Herzogin von Palma de Mallorca“.

Zu den Ermittlungen gibt es gut 25.000 Aktenseiten

Der Ermittlungsrichter José Castro füllte mit seinen Untersuchungen gut 25.000 Aktenseiten. Im Zentrum dieses Falles steht die vermeintlich gemeinnützige Stiftung „Nóos“, die von Cristinas Ehemann Urdangarin mitgegründet wurde. Im Nóos-Vorstand saß auch Cristina als Beirat. Doch diese Stiftung diente nach Erkenntnissen der Ermittler nicht dem Gemeinwohl, sondern der persönlichen Bereicherung. Und war vermutlich eine Lobbyorganisation, die königlichen Einfluss gegen Bezahlung anbot. Cristina soll das Aushängeschild für die Stiftung gewesen sein, um an Gelder zu gelangen.

Die Vernehmung ließ Cristina eher wortkarg über sich ergehen

Trotz aller Vorwürfe zeigt sich die Staatsanwaltschaft erstaunlich zahm und fordert sogar, die Anklage fallen zu lassen. Was damit zusammenhängen könnte, dass die konservative Regierung und das Königshaus hinter den Kulissen alles getan haben sollen, um eine Verurteilung zu verhindern. Die Vernehmung ließ Cristina eher wortkarg über sich ergehen. „Weiß ich nicht“ und „Ich erinnere mich nicht“, waren ihre häufigsten Antworten. Was der Prinzessin in der spanischen Öffentlichkeit den Beinamen „Prinzessin Ahnungslos“ einbrachte.

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