Welt : Prozess gegen den Reemtsma-Entführer: Kommt Drach bald frei?

Im Prozess um die Entführung des Hamburger Multimillionärs Jan Philipp Reemtsma wird an diesem Donnerstag das Urteil gegen Thomas Drach gesprochen. Den 40-Jährigen erwartet eine mehrjährige Haftstrafe wegen erpresserischen Menschenraubes. Wenn ihm die Untersuchungshaft in Argentinien jedoch dreifach angerechnet wird, könnte er schon in wenigen Jahren freikommen.

Reemtsma war im März 1996 in ein Kellerverlies bei Bremen verschleppt worden. Nach 33 Tagen Geiselhaft wurde er für ein Rekordlösegeld von 30 Millionen Mark freigelassen. 1998 wurde Drach in Argentinien festgenommen und im Juli 2000 nach Hamburg ausgeliefert.

Laut Anklage war Drach der Kopf der Erpresserbande. Oberstaatsanwalt Peter Stechmann hatte in seinem Plädoyer 14 Jahre und sechs Monate Haft gefordert und blieb damit nur ein halbes Jahr unter der möglichen Höchststrafe. Er meinte, Drach setze alles daran, nach seiner Haftentlassung ein Leben in Luxus zu führen. Schließlich sei von dem Lösegeld erst ein Bruchteil wieder aufgetaucht.

Der Reemtsma-Anwalt Johann Schwenn forderte als Vertreter der Nebenklage 15 Jahre Haft, da "Drach immer noch auf der Beute sitzt". Das Opfer meinte, auch wenn Drach für 15 Jahre hinter Gitter komme, hätte er "immer noch einen Gewinn von zwei Millionen Mark pro Haftjahr". Reemtsma betonte: "Selbst wenn sein Mittäter mehr vom Lösegeld erhalten hätte, als er zugibt, hätte sich das Verbrechen gelohnt."

Drach will von der Beute nur noch umgerechnet rund zwei Millionen Mark haben. Der Rest seines Anteils sei für einen aufwendigen Lebensstil auf der Flucht oder als Provision für Geldwäscher ausgegeben worden. Mehrere Millionen seien zudem in dunklen Kanälen in Osteuropa schlicht verloren gegangen. Außerdem habe sein Komplize K.  fast 15 Millionen von der Beute erhalten. Der bereits verurteilte

K.  sagte im Drach-Verfahren vor dem Hamburger Landgericht dagegen, er habe nur eine Million als Anteil und eine weitere Million "zum Wechseln" von Drach bekommen.

Der Drach-Verteidiger Rüdiger Spormann hatte in seinem Plädoyer eine milde Strafe für seinen Mandanten gefordert. Drach sei nicht Drahtzieher der Reemtsma-Entführung gewesen, argumentierte er. Das Gericht sollte sich am Strafmaß für K.  orientieren.

Dieser war zu 10 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt worden. Bei der Strafe Drachs sollte die mehr als zweijährige Auslieferungshaft in Argentinien zudem im Verhältnis Drei zu Eins angerechnet werden, forderte der Anwalt.

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