Prozess : Höchststrafe für Krankenschwester-Mörder

Im Prozess gegen den Mörder der Bayreuther Krankenschwester Monika Fischer waren sich Staatsanwalt und Verteidiger einig: Lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Auch der Angeklagte akzeptierte das Urteil.

Krankenschwestermörder
Der Angeklagte Jochen S. fährt vor dem Bayreuther Gericht vor. -Foto: dpa

BayreuthEs war kein Mordprozess wie jeder andere. Und so versuchte Verteidiger Herbert Gabler kurz vor der Urteilsverkündung auch gar nicht mehr, die Schuld des Mörders der Bayreuther Krankenschwester Monika Fischer kleinzureden: "Wer so etwas Bestialisches tut, der muss vor sich und anderen geschützt werden." In seiner Forderung schloss er sich in vollem Umfang dem Staatsanwalt an - und der verlangte die härteste Strafe, die deutsche Gerichte verhängen können: lebenslange Haft mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und anschließender Sicherungsverwahrung.

Der Angeklagte Jochen S. wusste also, was ihn erwartete, als Richter Michael Eckstein das erwartete Urteil verkündete: "Das war keine Spontantat, das war geplant!" Er erinnerte an das schwere Leid, das Monika Fischers Familie, ihrem Mann und den beiden Kindern, zugefügt worden sei; auch an die Vorstrafen von S. und dessen "kaum noch zu unterbietende" Rückfallgeschwindigkeit. "Beim Überfall war er überrascht, wie einfach alles geklappt hatte. In ihm lief ein Film ab, wie sich das Geschehen schon 2001 abgespielt hatte." Bei der Frage, ob der Angeklagte einen Hang zu schweren Straftaten habe, gebe es keine Zweifel, so Eckstein.

Opfer war die Ehefrau des ehemaligen JVA-Wärters

Der 36-Jährige hatte gestanden, Anfang Oktober 2006 die Krankenschwester überfallen und Geld von ihr erpresst zu haben. Anschließend habe er die 39-Jährige auch vergewaltigen wollen. Als sie zu schreien begonnen habe, habe er alles daran gesetzt, dass sie aufhört. Deshalb habe er sie erstochen und danach im Wald bei Bayreuth versteckt. Nach Einschätzung von Ermittlern wusste der Täter dabei nicht, dass es sich bei seinem Opfer um die Ehefrau seines ehemaligen JVA-Wärters handelte.

In seinem Schlusswort, das der Angeklagte stehend, in geduckter Haltung und mit zu Boden gerichteten Augen sprach, sagte er: "Ich weiß, dass der Strafrahmen für mich keinen Spielraum zulässt." Sein Anwalt hatte ihm schon kurz nach der Festnahme gesagt: "Das reicht aus, um Sie lebenslang zu verräumen." Am Dienstag hatte ein Gutachter dem Angeklagten einen Hang zu schweren Straftaten attestiert und sein Rückfallrisiko als sehr hoch eingeschätzt.

"Ich akzeptiere das Urteil voll umfänglich"

So ungewöhnlich wie das ganze Verfahren, war auch das Ende: "Ich akzeptiere das Urteil voll umfänglich", betonte Jochen S. gleich nach der Verkündung. Richter Eckstein schien überrascht, fragte zweimal nach. Doch Verteidiger Herbert Gabler bekräftigte: "Wir verzichten auf Rechtsmittel. Mein Mandant bedauert die Tat" - eine kleine Genugtuung für den Ehemann des Opfers, der Wärter von Jochen S. in der JVA Bayreuth war. Andreas Fischer hatte im vergangenen Jahr vor der Entlassung des Häftlings gewarnt. Seine Befürchtungen sollten sich bitter bestätigen. Damit sich beide nun nicht mehr im Gefängnis begegnen können, soll S. seine Haft in Straubing absitzen.

Breiten Raum widmete Staatsanwalt Werner Kahler in seinem Plädoyer der Frage, ob die Justiz den Mord hätte verhindern können - wenn die zuständigen Behörden den wegen Vergewaltigung zu acht Jahren und drei Monaten Haft verurteilten Schreiner nicht am 1. September 2006 auf Bewährung aus dem Bayreuther Gefängnis entlassen hätten. Nach seiner Ansicht könne man nicht von einem Justizfehler sprechen. Der Täter habe die angebotene Therapie in der JVA zwar äußerlich angenommen, jedoch innerlich nicht verwertet. "Dass sich die günstige Prognose rückblickend als unzutreffend herausgestellt hat, muss im höchsten Maße bedauert werden", sagte der Staatsanwalt.

Stoisch und äußerlich unbewegt hatte Jochen S. die drei Verhandlungstage über sich ergehen lassen. "Hinter diese Maske habe ich bislang nicht blicken können", musste selbst sein Anwalt Gabler eingestehen. Sein Mandant habe versucht, sich bei den Angehörigen zu entschuldigen. "Wir mussten akzeptieren, dass die Hinterbliebenen dies nicht wünschten", sagte Gabler. Er könne seinem Mandanten nur raten, im Gefängnis die Hilfe "fachkundiger Menschen" anzunehmen: "Sonst wird er daran zerbrechen, denn mit dieser besonders schweren Schuld kann man als Mensch nicht leben." (mit ddp)

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