Welt : Prozess im Mordfall Lena beginnt

Früherer Hilferuf des Täters blieb unbeachtet.

Aurich - Fünf Monate nach dem Mord an der elfjährigen Lena in einem Emder Parkhaus muss sich der mutmaßliche Täter von diesem Montag an vor Gericht verantworten. Der 18-Jährige hat die Tat in Niedersachsen gestanden, will sich an Einzelheiten aber nicht erinnern können. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die Grundschülerin am 24. März in dem Parkhaus in der Innenstadt erst vergewaltigt und dann getötet zu haben. Vier Monate zuvor soll er außerdem versucht haben, eine Joggerin in den Wallanlagen zu vergewaltigen. Die Polizei hatte den Verdächtigen Ende März festgenommen. Zwei Frauen hatten ihn zur Tatzeit in der Nähe des Parkhauses gesehen. DNA-Spuren vom Tatort überführten dann den jungen Mann. Die Ermittler gehen davon aus, dass Lena ihrem Mörder freiwillig ins Parkhaus folgte. Sie war an dem Nachmittag mit einem gleichaltrigen Freund in der Innenstadt unterwegs, weil sie die Enten in den Wallanlagen füttern wollten.

17 Zeugen sind nach Angaben von Gerichtssprecher Jürgen Rohlfs geladen. Am ersten Tag sollen nach der Anklageverlesung Lenas elfjähriger Freund, ihre Mutter, ihr Stiefvater und ein Parkhauswächter aussagen. Lenas Mutter will nach Angaben ihres Anwalts auch Schadenersatz und Schmerzensgeld für erlittenes Leid einklagen.

Der Fall hatte auch wegen der Festnahme eines Unschuldigen, gegen den dann Lynchaufrufe im Internet verbreitet wurden, Aufsehen erregt. Außerdem stellte sich heraus, dass sich der Verdächtige im vergangenen November selbst bei der Polizei in Emden angezeigt hatte, weil er ein siebenjähriges Mädchen nackt fotografiert hatte. Im September hatte der Stiefvater bereits die Ermittler in Aurich informiert, dass der Jugendliche Kinderpornos aus dem Internet heruntergeladen habe. Eine vom Amtsgericht in Hannover angeordnete Hausdurchsuchung setzen die Beamten jedoch nicht um. dpa

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