Prozess : Kann Marco W. Weihnachten zu Hause verbringen?

Der Prozess gegen den 17-Jährigen Marco W. aus Uelzen wird heute in Antalya fortgesetzt. Die Anwälte des Deutschen, der wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt ist, hoffen auf einen Freispruch.

Marco W.
Ein Bild aus glücklichen Tagen: Marco W. -Foto: ddp

Uelzen/Antalya Der Deutsche sitzt seit mehr als acht Monaten in der Türkei in U-Haft. Eine Prognose zum Verhandlungstag will Marcos Anwalt Michael Nagel aber nicht abgeben. Charlottes Rechtsanwalt Ömer Aycan fordert die Höchststrafe von 15 Jahren, die für Minderjährige bei zehn Jahren liegt.

Aussage von Charlotte liegt vor

Zur Verhandlung soll nun auch die Aussage des angeblichen Missbrauchsopfers Charlotte vorliegen. Die 13-jährige Britin hatte Anfang Oktober eine Aussage bei der britischen Polizei gemacht. Diese Aussage lag dem Gericht bislang nicht im Original vor, weshalb der Prozess mehrmals vertagt wurde. Dass die Klägerseite bereits den Vorwurf der versuchten Vergewaltigung aus der Aussage publik gemacht hat, schreckt die Verteidigung nicht. "Die Situation ist besser, als wenn keine Unterlagen vorliegen würden", erklärt Nagel. Die Verteidiger hatten bereits angekündigt, Charlottes Glaubwürdigkeit infrage stellen zu wollen.

Damit der Jugendliche mit den Eltern in einem Hotel in Antalya feiern kann, wollen seine Verteidiger erneut die Haftverschonung gegen Kaution beantragen. "Man hat versucht, das Gericht für die Bedeutung des Festes bei uns zu sensibilisieren", sagte Anwalt Michael Nagel. "Weihnachten ist für die Türken ohne Bedeutung." Ob die Richter den Zusammenhang zwischen dem Familienfest und einem psychisch belasteten Jugendlichen berücksichtigen, bleibt abzuwarten.

Schuld oder Unschuld?

Den Strafvollzugsexperten Prof. Bernd Maelicke von der Universität Lüneburg wundert es, dass Marco nicht längst gegen Kaution, Auflagen und Abgabe des Passes auf freien Fuß gesetzt wurde. "Flucht- und Verdunkelungsgefahr ist kaum gegeben, die Schwere des Tatvorwurfs kann man mit der Höhe der Kaution berücksichtigen", sagt Maelicke. Bei einem von der Polizei überwachten Hausarrest in einem Hotel blieben die Interessen aller Seiten gewahrt. Nach Maelickes Ansicht zählt jeder Tag, den Marco nicht im Gefängnis verbringt: "Da entstehen Schäden, die holt der nie wieder auf."

Marco wurde am 12. April in Side festgenommen, nachdem Charlottes Eltern Anzeige gegen ihn erstattet hatten. Marco gab zu, mit dem Mädchen geflirtet und geschmust zu haben. Die 13-Jährige behauptet dagegen, der Junge habe sie sexuell missbraucht.

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