Prozess : Marco W. bleibt in türkischer Haft

Der Prozess gegen Marco W. wegen sexuellen Missbrauchs einer 13-jährigen Britin ist vertagt worden. Marco bleibt in Untersuchungshaft. Ein Gutachter entlastete den 17-Jährigen in der heutigen Verhandlung.

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Marco W. befindet sich seit Ostern in Untersuchungshaft. -Foto: dpa

Uelzen/Antalya Der 17-jährige Schüler Marco aus dem niedersächsischen Uelzen bleibt in türkischer Haft. Die Verhandlung gegen den Jugendlichen wegen sexuellen Missbrauchs einer 13-jährigen Britin wurde heute im Badeort Antalya auf den 6. September vertagt. Nach Angaben seines deutschen Anwalts Nikolaus Walther hatte neben einem Gutachter auch ein zweiter Zeuge den Schüler entlastet. Deshalb sei es nicht nachvollziehbar, weshalb Marco nicht auf freien Fuß gesetzt werde, sagte Walther.

Die Eltern sind nach den Worten des Anwalts sehr enttäuscht, und Marco sei "in ein tiefes Loch gefallen". Die andauernde Untersuchungshaft wurde mit einem Rechtshilfeersuchen an Großbritannien begründet. Das Ergebnis muss noch abgewartet werden. Ziel dieses Ersuchens ist, die 13-jährige Charlotte befragen zu können.

Gutachter: Keine Anzeichen für Vergewaltigung

Nach seiner Vernehmung in dem nicht öffentlichen Prozess sagte der Krankenhausarzt Levent Hekim, er habe das Mädchen noch in der Nacht untersucht und keine Anzeichen für eine Vergewaltigung entdeckt. Es habe auch keinen Geschlechtsverkehr gegeben. Allerdings habe er Spermaspuren gefunden.

Der Schüler aus dem niedersächsischen Uelzen sitzt seit Ostern in Untersuchungshaft. Er hatte bereits ausgesagt, dass es mit der Engländerin im Einvernehmen zu Zärtlichkeiten gekommen sei. Diese Version bestätigte der Arzt. Seine Frage an das Mädchen, ob Marco ihr Gewalt angetan habe, habe sie verneint, sagte Hekim. Im Gegenteil, das Mädchen habe ihm gesagt, sie habe Marco in ihr Zimmer eingeladen. Mutter und Schwester seien aber sehr aufgeregt gewesen, als sie ihn auf Anraten des Hotelarztes aufgesucht hätten. Die Mutter habe Angst vor einer möglichen Schwangerschaft der 13-jährigen Charlotte gehabt.

Marco: Initiative ging von 13-Jähriger aus

Marco und das Mädchen hatten sich im Badeort Side kennengelernt und waren nach einem Discoabend mit anderen Jugendlichen im Hotelzimmer der 13-Jährigen gelandet. Die Initiative zu den Zärtlichkeiten sei von dem Mädchen ausgegangen, das sich als älter ausgegeben habe, sagte Marco. Sie habe zudem ihr Alter mit 15 angegeben.

In einer Reaktion auf den Prozessverlauf plädierte der Direktor des Essener Zentrums für Türkeistudien, Faruk Sen, für die unverzügliche Freilassung von Marco in der Türkei. "Angesichts von allem, was man über den Tatbestand weiß, ist die das Fortdauern von Marcos Untersuchungshaft unverhältnismäßig", so der Zentrumsleiter.

Der inhaftierte Marco befindet sich nach Angaben seines Anwalts Jürgen Schmidt in schlechter Verfassung. In einem NDR-Fernsehinterview appellierte Marcos Vater an die Eltern der Britin, ihre Anzeige zurückzuziehen. Die "Bild"-Zeitung veröffentlichte einen Brief der Mutter, in dem sie über ihre Sorgen und Ängste schreibt. Das britische Mädchen wird nach Angaben des Arztes zurzeit psychologisch betreut. (mit dpa)

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