Prozess : Sechs Monate altes Baby verhungert

Statt sich um ihr Neugeborenes zu kümmern, sollen die Eltern lieber ausgegangen sein oder ferngesehen haben. Im Februar starb der sechs Monate alte Florian an Unterernährung. Nun muss sich das Paar wegen Mordes verantworten.

Madeleine D. Foto: dpa
Die Angeklagte Madeleine D. -Foto: dpa

Frankfurt (Oder)Florian muss vor Schmerzen geschrien haben, weil er Hunger und Durst litt, heißt es in der Anklage im Mordprozess gegen die Eltern des Babys. Den Eltern sei bewusst gewesen, dass das Kind Schaden nehmen und sterben könnte. Sie hätten seinen Tod billigend in Kauf genommen. Welche Strafe sie dafür erhalten, das wird seit Donnerstag vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) verhandelt.

Der 21 Jahre alte Vater hatte laut Anklage in der Nacht zum 13. Februar 2008 den Notarzt gerufen, als er den völlig abgemagerten Jungen leblos im Bett fand. Das Kind soll bei seinem Tod weniger gewogen haben als bei der Geburt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Vater und die heute 20-jährige Mutter seine Mahlzeiten vier Wochen nach der Entbindung um zunächst zwei, später um sechs bis sieben Stunden hinauszögerten. Demnach hatte Florian seit mehr als 20 Stunden nichts mehr gegessen, als er für tot erklärt wurde.

Der Notarzt berichtete im Zeugenstand, die Eltern hätten gefasst, aber nicht kaltblütig auf die Todesnachricht reagiert. Das Kinderzimmer beschrieb er als gepflegt. Auf seine Nachfrage hätten die Eltern geäußert, ihnen sei auch aufgefallen, dass ihr Baby unterernährt gewirkt habe; bei regelmäßigen Arztbesuchen sei aber immer alles in Ordnung gewesen. Laut Anklage war der Junge nach der Entbindung nicht mehr von einem Arzt untersucht worden. Der Prozess wird am 1. Juli mit Zeugenbefragungen fortgesetzt. Das Urteil soll am 17. Juli gesprochen werden. (kj/dpa)

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