Welt : Prozess um Bombenanschlag: Nach 38 Jahren wegen Mordes an Schwarzen verurteilt

Fast 38 Jahre nach dem Bombenanschlag auf eine von Schwarzen besuchte Kirche im US-Bundesstaat Alabama ist am Dienstag ein Weißer wegen Mordes schuldig gesprochen worden. Bei dem Anschlag in Birmingham waren 1963 vier Mädchen im Alter von 11 und 14 Jahren ums Leben gekommen. Die Jury hielt die Indizien gegen Thomas Blanton, ein ehemaliges Mitglied des rassistischen Ku-Klux-Klans, für ausreichend. Blanton (62) hatte bis zuletzt seine Unschuld beteuert. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe.

Der Bombenanschlag war eines der schlimmsten Verbrechen aus der Zeit der Bürgerrechtsbewegung. In der Stadt herrschte damals strikte Rassentrennung. Blanton war von Anfang an verdächtigt worden. Die Staatsanwaltschaft brachte ihn mangels Beweisen jedoch jahrelang nicht vor Gericht, weil Zeugen lange nicht wagten, gegen ein Ku-Klux-Klan-Mitglied auszusagen. "Um die Wahrheit herauszufinden, ist es nie zu spät", sagte Staatsanwalt Doug Jones nach dem Urteil der Geschworenen.

Das Geschworenengericht aus acht Weißen und vier Schwarzen brauchte nur zwei Stunden für den Schuldspruch. Ausschlaggebend waren mehrere vor mehr als 30 Jahren heimlich mitgeschnittene Tonbandaufnahmen, in denen Blanton einem Polizeiinformanten über seinen Schwarzenhass und seine Bombenpläne berichtete.

Der Sprengsatz zerstörte am 15. September 1963 die Baptistenkirche in Birmingham. Die vier Mädchen machten sich gerade im Toilettenraum des Gotteshauses für eine bevorstehende Messe zurecht, als die Bombe unter eine Treppe explodierte. Die Kirche war seinerzeit Ausgangspunkt für zahlreiche Protestaktionen von Bürgerrechtlern in Birmingham. Blanton soll den Anschlag mit drei Komplizen geplant haben. Einer von ihnen war bereits wegen des Anschlags zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er starb 1985 in Haft. Ein zweiter Tatverdächtiger starb, ohne jemals vor Gericht gestellt zu werden.

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