Prozess um tote Babys : "Keine Emotionen gezeigt"

Die angeklagte Mutter der neun toten Babys von Brieskow-Finkenheerd hat nach dem Fund der Leichen 2005 ein Geständnis abgelegt. Ein Polizei-Beamter sagte aus, die Frau habe die Vorwürfe zunächst bestritten, dann aber gestanden.

Frankfurt (Oder) - Das berichtete ein 30-jähriger Beamter als Zeuge am Mittwoch vor dem Landgericht Frankfurt (Oder). Er habe die Angeklagte damals drei Mal vernommen. Die 40-Jährige soll neun ihrer 13 Kinder nach der Geburt getötet haben, in dem sie die Neugeborenen sich selbst überließ. Sie vergrub die Säuglinge in Gefäße und stellte sie auf den Balkon. Die Frau ist des achtfachen Totschlags angeklagt. Ein Fall ist verjährt. Ein Kinderskelett wies Kopfverletzungen auf.

Zu den Vorwürfen sagte die Frau dem Zeugen zufolge, sie habe die Kinder getötet und in Behältnisse vergraben. «Ich gebe neun Straftaten zu», wiederholte der Zeuge ihre Aussage. «Ich bin erleichtert, dass es raus ist», habe sie ihm gesagt. Nach seiner Schilderung betrank sich die Frau immer, wenn die Wehen einsetzten und nahm eine Tablette, um die Wirkung zu verstärken.

«Bei Eintritt der Wehen hat sie zur Flasche gegriffen, damit die Gedanken nicht hochkamen, sich um das Kind zu kümmern», gab der Polizist das Geständnis wieder. Die Frau sei am nächsten Morgen erwacht, als die Kinder vergraben waren. Dann habe sie sich «hundeelend» gefühlt. Vater der toten Kinder ist ihr Ex-Ehemann. Im Prozess schwieg die Angeklagte bisher zu den Vorwürfen.

Geburt auf der Toilette

Nach den Worten des Zeugen waren der Kindesmutter nur noch zwei Geburten im Gedächtnis. So habe sie nach eigener Darstellung 1988 auf einer Toilette ein Kind zur Welt gebracht. Sie habe es plumpsen gehört und sei bewusstlos geworden. Als sie wach wurde, sei das Kind blau verfärbt gewesen, mit Schaum vor dem Mund. Sie habe es in ein Handtuch gewickelt und sich hingelegt. Am nächsten Morgen erwachte die Frau nach ihrer damaligen Schilderung auf dem Balkon neben dem Aquarium. In dem Gefäß wurden später Knochen gefunden.

Auch an eine Entbindung in einer Goslarer Pension habe sich die Frau erinnert. Das Kind habe seinerzeit gewimmert. Als eine Kollegin ins Zimmer kam, habe sie reflexartig eine Decke über das Baby gelegt, später das Kind in einen grünen Sommermantel gewickelt und in eine Tasche gepackt. Anschließend sei sie am nächsten Tag mit der Kollegin abgereist. Sie sei davon ausgegangen, dass das Kind nicht mehr lebte, als sie es verpackte. Zu Hause habe sie es dann wohl in einer roten Plastikwanne vergraben.

Keine Erinnerung "an einzelne Taten"

«An eine genaue Zahl der Schwangerschaften hat sie sich nicht erinnert», gab der Polizeibeamte an. Die Kinder sollen zwischen 1988 und 1998 zur Welt gekommen sein. Die Angeklagte sei davon ausgegangen, dass die Kinder tot waren, als sie sie vergrub. «An einzelne Taten konnte sie sich nicht erinnern.» Die Kopfverletzungen an einer Leiche könnten vom Graben stammen. Als einen Grund für die Taten habe die Frau angegeben, ihr Mann habe nach drei Kindern keinen Nachwuchs mehr gewollt. Sie habe vor ihm Angst gehabt und geglaubt, die großen Kinder könnten ihm zugesprochen werden.

Die Vernehmungen verliefen nach Einschätzung des Kommissars in ruhiger Atmosphäre. Die Verfassung der Frau beschrieb der Mann mit dem Wort «cool». Sie habe keine Emotionen gezeigt. Der Prozess wird an diesem Freitag fortgesetzt. (tso/dpa)

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