Welt : Prozess wegen billiger Implantate Weltweit bangen Frauen um ihre Gesundheit

Marseille - Im Skandal um den weltweiten Verkauf von Brustimplantaten aus billigem Industriesilikon hat der erste Strafprozess gegen die Verantwortlichen begonnen. Im südfranzösischen Marseille stehen seit Mittwoch der Gründer des mittlerweile insolventen Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP), Jean-Claude Mas, sowie vier seiner früheren Mitarbeiter vor Gericht. Ihnen drohen wegen Betrugs und schwerer Verbrauchertäuschung bis zu fünf Jahre Haft. Das Verfahren gilt als eines der größten in der französischen Geschichte. Mehr als 5000 geschädigte Frauen haben Anzeige erstattet.

Weltweit haben Chirurgen Schätzungen zufolge Hunderttausende Silikonkissen des französischen Unternehmens implantiert. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geht davon aus, dass mehr als 5000 Frauen in Deutschland Implantate von PIP erhalten haben. Der Skandal war erst entdeckt worden, nachdem sich Hinweise auf eine erhöhte Reißanfälligkeit der Produkte gehäuft hatten. Zudem gab es 2009 einen anonymen Hinweis auf den Betrug. Bis heute ist unklar, seit wann genau PIP nicht zugelassenes Silikon verwendete. In den Vernehmungen widersprachen sich die Angeklagten.

Neben zahlreichen betroffenen Frauen ist der Tüv Rheinland an dem ersten Strafprozess als Nebenkläger beteiligt. Der deutsche Prüfdienstleister war für die Zertifizierung der Implantate und des PIP- Qualitätssicherungssystems zuständig. Er wirft PIP vor, sämtliche Hinweise auf die Verwendung nicht zugelassenen Silikons systematisch verschleiert zu haben. Opfer kritisieren die Nebenklägerrolle des Tüv. Sie werfen ihm unzureichende Kontrollen vor. In Vernehmungen hat PIP-Gründer Mas den Betrug zugegeben. Ihm drohen weitere Prozesse wegen fahrlässiger Körperverletzung und Straftaten wie Veruntreuung von Gesellschaftsvermögen und Insolvenzbetrug. dpa

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