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Prozessabschluss : Breivik darf noch einmal sprechen

Ein letztes Mal in diesem Prozess äußert sich der Massenmörder Anders Behring Breivik zu seinen Taten. Für die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer ist das, was er sagt so ungeheuerlich, dass sie den Gerichtssaal verlassen.

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24. August 2012, das Urteil: Anders Breivik bekommt die Höchststrafe von 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung ausgesprochen.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
24.08.2012 22:1224. August 2012, das Urteil: Anders Breivik bekommt die Höchststrafe von 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung...

Der norwegische Islamhasser Anders Behring Breivik hat seine zwei Anschläge mit 77 Toten als „barbarisch“, aber gerechtfertigt bezeichnet. Am letzten Tag des Prozesses gegen den norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik hat dieser am Freitag noch einmal Gelegenheit bekommen, sich zu den Taten zu äußern. Er müsse freigesprochen werden, da seine Taten „dem Schutz des Landes“ gedient hätten, sagte Breivik im Gericht in Oslo. Mehrere dutzend Anwesende verließen kurz zuvor den Saal, darunter Familien der Opfer und Überlebende der Anschläge in Oslo und auf der Insel Utöya. "Er hat ein Recht zu sprechen, wir haben nicht die Pflicht zuzuhören“, sagte der Vize-Chef der Unterstützergruppe für die Überlebenden, Christian Bjelland, der Nachrichtenagentur NTB. „Ihm zuzuhören, macht uns krank“, sagte Bjelland.

Breivik hatte das Gericht um eine Stunde Zeit gebeten, um seine abschließenden Erklärungen darzulegen. Der geständige Attentäter hatte bereits zu Beginn des zehnwöchigen Prozesses seine Motive erläutert. Kurz bevor Breivik am Freitag das Wort ergriff, hatte das Gericht die emotionalen Berichte von fünf Zeugen gehört, die jeweils einen Angehörigen verloren. „Das ist mein Prozess, ich bin sicher, das Gericht wird ein richtiges Urteil fällen, er wird nie wieder raus kommen“, sagte Kirsti Sofie Lövlie, die bei dem Anschlag in Oslo ihre 30-jährige Tochter verlor.

Die Richterin Wenche Elizabeth Arntzen kündigte das Urteil für den 24. August an.
Die Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag gefordert, Breivik in eine geschlossene psychiatrische Anstalt einzuweisen. Sein Anwalt, Geir Lippestad, forderte das Gericht am Freitag dagegen auf, im Falle einer Verurteilung eine „milde“ Haftstrafe zu verhängen. Auf den Wunsch Breiviks hin versuchte er, ihn als zurechnungsfähig darzustellen. Breivik hatte auf nicht schuldig plädiert, obwohl er die Anschläge in Oslo und auf Utöya gestanden hatte. Er hatte angegeben, die 77 Menschen aus „Notwehr“ getötet zu haben.

Breivik sagte über seine Anschläge mit einer Autobombe in Oslo und dem Massaker auf der Insel Utøya am 22. Juli 2011: „Ich habe für mein Volk, meine Religion und mein Land gehandelt.“ Für den Fall eines Schuldspruchs will Breivik unbedingt als zurechnungsfähig verurteilt werden. Er sagte: „35 von 37 hoch qualifizierten Leuten, die sich mit mir befasst haben, haben keine mentalen Störungen festgestellt.“ Zu den politischen Motiven für die Autobombe im Osloer Regierungsviertel mit acht Toten und das Massaker auf der Insel Utøya, bei dem er 69 Menschen tötete, sagte Breivik: „Es gibt einen fundamentalen Bedarf an neuer Führung in Norwegen und Europa.“ In seinem Land hätten die regierenden Sozialdemokraten ein „multikulturalistisches Experiment“ gestartet und nach britischem Vorbild asiatische sowie afrikanische Massenzuwanderung in Gang gesetzt. Breivik nannte auch die „Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten und die sexuelle Revolution“. Als Ideal würden heute TV-Serien wie „Sex and the City“ herausgehoben, in denen weibliche Hauptfiguren Sex mit „Hunderten Männern“ hätten.

Breivik nannte als Beispiel für eine „kollektive kulturelle Psychose“ in seinem Land, dass Norwegen sich beim Eurovision Song Contest von „einem Asylbewerber als Botschafter“ vertreten lasse.

Über mögliche weitere Anschläge in seinem Sinne sagte er: „Meine Brüder in den norwegischen und europäischen Widerstandsbewegungen verfolgen diese Sache hier sehr genau, während sie neue Angriffe vorbereiten. Sie können bewerkstelligen, dass dabei bis zu 40 000 Menschen sterben.“ (dpa/AFP)




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